Dr. J.P. FERNANDEZ
MEDICINA-CIRUGIA C/ CHURRUCA; 5 1D
28004 MADRID
TLF 5328932 FAX 5328933
MADRID: 7. November 1996 REF: Angelo Amstutz Alter 5 Jahre
INFORME: Operationsbericht
Wir haben am heutigen Tag am oben genannten Patienten eine Laparotomie zu
diagnostischem Zweck vorgenommen. Die Fragestellung war, ob es sich bei den von beiden
Nieren ausgehenden und, rechts paravesical imprimierenden Tumoren, die im April 1996
anläßlich einer im Kantonsspital Luzern durchgeführten Operation als "von der
Blase ausgehendes Rhabdomyosarkom" diagnostiziert waren, wirklich wildwuchernde
Sarkome waren, oder, wie Herr Dr. Hamer schon im Mai 1996 diagnostiziert hatte von beiden
Nieren ausgehende, damals noch liquide, in Induration befindliche Nephroblastome
(passager
genannt "Wilmstumoren") seien.
Wir haben bei unserer infraumbilical paramedian rechts durchgeführten Laparotomie
folgendes vorgefunden: Nach dem Hautschnitt und der Durchtrennung der M.rectus-Scheide
fanden wir einen extraperitoneal gelegenen nahezu kugeligen Tumor vor, der allseits
perfekt von einer derben Kapsel umhüllt ist. Man kann ihn mit dem Finger umfahren. Die
Basis des kugeligen eingekapselten Tumors, bzw. der evtl. vorhandene Stiel zur
retroperitoneal gelegenen rechten oder linken Niere konnte nicht eruiert werden.
Es wurde die Entscheidung getroffen, die Operation
nicht weiter zu führen, wegen des
kugeligen eingekapselten Tumors von 10 cm Durchmesser, wegen einer fast sicheren Blutung
und weil unser Einschnitt für den ja ursprünglich als diagnostische Laparotomie
geplanten Eingriff nicht als groß genug erschien.
Wenn die gesamte Tumormasse rechts paramedian extraperitoneal, an beiden Nieren
anschließend und im linken Mittelbauch verkapselt ist, was an mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit der Fall zu sein scheint, halten wir es für möglich, daß
das Kind Angelo Amstutz in Kürze in einem großen Krankenhaus operiert
werden kann.
Es ist ausgeschlossen, daß dieser untere Teil eines Nephroblastoms - entweder
ausgegangen von der rechten Niere oder noch wahrscheinlicher von der linken Niere
ausgegangen und retroperitoneal bis ins Becken rechts paraperitoneal und supraperitoneal
gewandert - von der Blase ausgegangen sein kann. Man hatte dies ja ursprünglich
(Rabdomyosarkom) im Kantonsspital Luzern vermutet. Denn der Prozeß ist ja eindeutig
extra-, bzw. präperitoneal ventral gelegen.
Herr Dr. Hamer hatte ja nachweislich schon im Mai 1996 diesen Prozeß richtig beurteilt
und den gesamten Verlauf einschließlich der Induration und Einkapselung richtig
vorausgesagt. Diese Voraussage bezog sich, wie mir durch die Eltern des Kindes sehr gut
bekannt ist, ganz besonders auf die verschiedenen Stadien dieses Prozesses:
- Konfliktaktives Stadium: Nierennekrose beiderseits mit entsprechendem
Flüssigkeitskonflikt
- Konflikt-Heilungsphase: die war damals bereits gegeben
- liquide Phase
- "Wilmstumorphase" (halbliquide)
- Nephroblastomphase mit vollständiger Induration und Einkapselung
Diese Phasen lassen sich in diesem Falle alle durch die vorhandenen Bauch-CTs vom
April, Mai, Juni und Oktober 1996 nachweisen. Ebenfalls durch die vorhandenen
Hirn-CTs.
Durch diese Operation werden die Prognosen und die Perspektiven für das Kind auf eine
ganz neue Basis gestellt. Weder ist es nötig noch überhaupt möglich ein induriertes
Nephroblastom mit fester Kapsel durch die Chemo oder Bestrahlung reduzieren zu müssen,
oder überhaupt zu können, sondern es ist nötig, diese gut abgekapselten Nephroblastome
in einer gut vorbereiteten Operation
extraperitoneal zu entfernen. Man braucht dazu
voraussichtlich nicht einmal operativ in die Bauchhöhle einzudringen. Es scheint auch so,
daß die Nephroblastome jeweils eine gestielte Brücke zu der jeweiligen Niere haben, die
man leicht durchtrennen kann, während ansonsten zwischen Niere und Nephroblastom keine
Verbindung außer der bestehenden gestielten Brücke zu bestehen scheint.
Das Denkproblem lag früher für uns darin, daß die halbliquide Nierenzyste, genannt
"Wilmstumor", die wir zumeist in diesem Stadium operiert haben, in der gesamten
Umgebung zum Zweck der Blutversorgung angewachsen war bis etwa zum 5. - 6. Monat. Nach
diesem Zeitpunkt hatte sich das von der Niere ausgehende Gefäßsystem installiert. Diesen
Zustand hatten wir gewöhnlich nicht abgewartet. Das haben wir in diesem Fall aber getan
und eine "gutartige" Indurierung und allseitige Abkapselung des Prozesses
gefunden, der nun technisch leicht operabel ist.
Wohlgemerkt ist die folgende Operation
lediglich aus rein mechanischen Gründen der
Platzverhältnisse erforderlich (etwa insgesamt 2,5 kg).
fdo. Dr. J.P. FERNANDEZ
Jefe de Servicio Cirugia