EBERHARD-KARLS-UNIVERSITÄT TÜBINGEN
Universitäts-Frauenklinik
2.02.1982
An den
Herrn Dekan der Medizinischen Fakultät
(Klinische Medizin)
Prof. Dr. K. Voigt
Geissweg 3
7400 Tübingen
Arbeit von Herrn Dr. med. Ryke Geerd HAMER
"Das HAMER-SYNDROM
benannt nach Dirk Geerd Hamer und die
EISERNE REGEL DES KREBS
Sehr geehrter Herr Dekan,
in der Sitzung des Habilitationsausschusses vom 8.12.1981 haben Sie mich beauftragt,
obengenannte Arbeit zu begutachten, die Herr Dr. med. Geerd Hamer "als
Habilitationsschrift für eine
Habilitation im Fach 'Innere Medizin'" eingereicht
hat.
Herr Dr. Hamer hat eine
Studie mit anamnestischen Befragungen von 200 Patientinnen mit
gynäkologischen Karzinomen retrospektiv nach Diagnosestellung und Behandlung angefertigt.
Aufgrund seiner Beobachtungen vertritt er die Ansicht, daß ein "momentanes
Zusammentreffen von momentaner Disposition im weitesten Sinne, momentaner
Konfliktverdichtung und einer Isolation in jeder Form (räumliche - familiäre - innere
Isolation) zur Krebsmanifestation" führe, "wenn das Integral aus diesen drei
Funktionen momentan einen individuellen Toleranz-Schwellenwert überschritten habe. Die
Ursache der Krebsentstehung in der peripheren Zelle liegt für den Verfasser in einem akut
entstandenen Programmierungsfehler im ZNS, wodurch für die Dauer des Bestehens des
Konflikts fortlaufend Fehl-Codes an die peripheren Zelle geliefert werden, die dadurch
entartet". Die angeführten psychischen Momente faßt er als HAMER-SYNDROM zusammen,
benannt nach seinem tödlich verunglückten Sohn Dirk Geerd Hamer. Er stellt eine
"Eiserne Regel des Krebs" auf, wonach "jeder Krebs an einem Tag bei der
Konstellation des Hamer-Syndroms entsteht, der Konfliktinhalt die Lokalisation des Krebs
bestimmt, der Verlauf der Konfliktentwicklung den Verlauf der Krebsentwicklung
bestimmt." Dies wird auf etwa 50 Seiten der Arbeit beschrieben; es folgen 200
Fallschilderungen gynäkologischer Karzinome mit Darstellung vorausgegangener psychischer
Belastungen und Konflikte der Patientinnen.
Es ist festzustellen, daß Form und Methodik der Arbeit den Grundregeln einer
Habilitationsschrift nicht entsprechen. Der Stil der Arbeit ist geprägt durch
zahlreiche persönlich-emotionale Momente, die es dem Autor nicht erlauben, seine
Ansichten sachlich und prägnant zu entwickeln und zu belegen. Auf die
umfangreiche Literatur zur Genese und Manifestation der Krebserkrankungen wird keinerlei
Bezug genommen; das angekündigte Literaturverzeichnis lag zum Zeitpunkt der
Beurteilung nicht vor. Es werden einige Anschauungen vorgetragen, die auch als
Spekulation nicht zu akzeptieren sind.
Trotz dieser gravierenden Mängel sollte das Bemühen von Herrn Dr. Hamer nicht
unberücksichtigt bleiben. Inwieweit aber die vorliegenden Fallschilderungen mit
Beschreibung der psychischen Konflikte einen Zusammenhang mit der Manifestation des
Krebses belegen, kann ich nicht beurteilen, da es sich hier um ein psychologisches Problem
handelt. Vielleicht sollte Herr Dr. Hamer sich von einem in
psychologisch-wissenschaftlichen Fragestellungen versierten Mann beraten lassen, sein
Material in einer adäquaten und akzeptierbaren Form darzustellen.
Mit freundlichem Gruß
Prof. Dr. R. Schrage