Parlamentarische Anfragebeantwortung betreffend der NEUEN
MEDIZINBUNDESMINISTERIN
für Gesundheit und Konsumentenschutz
DR. CHRISTA KRAMMER
A-1031 Wien, Radetzkystraße 2
Telefon: 0222/711 72
Teletex: 322 15 64 BMGSK
DVR: 0649856
10. Aug. 1995
GZ 114.140/85 -I/D/14/95
Herrn
Präsidenten des Nationalrates
Dr. Heinz FISCHER
Parlament
1017 Wien
Die Abgeordneten zum Nationalrat Petrovic, Moser, Freundinnen und Freunde haben am
23. Juni 1995 unter der Nr. 1434/J an mich eine schriftliche parlamentarische Anfrage
betreffend Stand der Krebsforschung in Österreich, Überprüfung der Thesen von Dr. Ryke
Geerd Hamer gerichtet, die folgenden Wortlaut hat:
l. Hat Ihr Ressort sich inhaltlich mit den Thesen von Dr.
Hamer oder mit anderen
alternativen Krebstheorien auseinandergesetzt?
Wenn ja, mit welchen Ergebnissen?
Wenn nein, warum nicht?
2. Wie hoch war in den letzten 3 Jahren die Summe der Forschungsmittel, die Ihr Ressort
in die Überprüfung neuer Krebstheorien investiert hat?
3. Sind Sie persönlich der Meinung, daß neue Krebstheorien umgehend überprüft
werden müssen?
Wenn ja, in welcher Weise handeln Sie danach?
Wenn nein, warum nicht?
4. Es wäre sinnvoll, jene Fälle zu dokumentieren, wo eine schulmedizinische
Krebsbehandlung abgebrochen wurde und die PatientInnen heute geheilt sind.
Planen Sie, eine Dokumentation dieser Fälle aufzubauen?
Wenn ja, wo und in welcher Form wird dies passieren?
Wenn nein, warum nicht?
Diese Anfrage beantworte ich wie folgt:
Zu den Fragen 1 bis 3:
Mein Ressort hat sich eingehend mit den Thesen Dr. Hamers beschäftigt. Wie auch der
Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Beantwortung der an ihn
gerichteten Anfrage Nr. 1435/J dargelegt hat, finden nach Ansicht der Fachvertreter an den
medizinischen Fakultäten in Österreich die von Dr. Hamer vertretenen Theorien der
Krebsentstehung und -behandlung in mehrfacher Hinsicht keine Stütze in der modernen
Krebsforschung und -therapie.
Eine Auseinandersetzung mit neuen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Medizin,
insbesondere auch im Zusammenhang mit der Entwicklung komplementärer Heilmethoden, hat
primär durch die Vertreter der Wissenschaft selbst zu erfolgen.
Natürlich bin ich der Ansicht, daß auch neue Theorien geprüft werden müssen. Dazu
ist jedoch generell zu bemerken, daß Voraussetzung für einen wissenschaftlichen Diskurs
über komplementäre Behandlungsmethoden sein
muß, daß derartige Methoden auch einer
wissenschaftlichen Beurteilung zugänglich sind. Darüber hinaus ist es zunächst
Sache desjenigen, der mit neuen Theorien auftritt, diese durch fundierte Unterlagen und
Untersuchungen zu beweisen oder zumindest plausibel zu machen. Dies ist im Fall der
Thesen
des Dr. Hamer nicht gegeben.
In den letzten Jahren hat mein Ressort den Ludwig-Boltzmann-Instituten für klinische
Onkologie sowie für Leukämieforschung und Hämatologie jeweils S 1,250.000,- (S
750.000,- und S 500.000,-) zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse der Studien sind den
umfassenden Geschäftsberichten der Boltzmann-Gesellschaft zu entnehmen.
Im übrigen verweise ich darauf, daß Angelegenheiten der Forschung (Einsatz von
Forschungsmitteln zur Überprüfung neuer Krebstheorien) in den Kompetenzbereich des
Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst fallen.
Zu Frage 4:
Eine Dokumentation der jeweiligen Einzelfälle erfolgt im Rahmen der Krankengeschichten
bzw. bei einer Behandlung durch niedergelassene Ärzte im Rahmen der von diesen zu
führenden Dokumentationen. Die für den Aufbau einer umfassenden Dokumentation
erforderliche zentrale Zusammenführung aller Daten ist aus administrativen und
rechtlichen Gründen derzeit nicht möglich.
Krammer