MINISTERIUM
FÜR WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND KUNST BADEN-WÜRTTEMBERG
DER MINISTER
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70029
Stuttgart
Herrn
Ministerpräsident
Erwin Teufel,
MdL
Staatsministerium
Richard-Wagner-Str.
15
70184
Stuttgart
Stuttgart,
2. November 2001
Aktenzeichen:
34-780.9/78
„Projekt Neue Medizin“ des Herrn Dr.
Hamer
Ihr Schreiben vom 26. September 2001
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Erwin,
für Ihr o.g. Schreiben, in dem Sie um nähere
Auskunft zu dem „Projekt Neue Medizin“ des Herrn Dr. Hamer
bitten,
danke ich Ihnen. Nach eingehender Befassung mit der Angelegenheit darf ich
Ihnen folgendes berichten.
Herrn Dr. Hamer
führt seit vielen Jahren Prozesse
gegen die Universität
Tübingen, nachdem seine Habilitationsschrift zur
„Neuen Medizin“ bereits im Jahr 1982 von der Medizinischen Fakultät
einstimmig abgelehnt worden ist. 1986 wurde ihm darüber hinaus die
Approbation entzogen. Zu erwähnen ist auch, dass Herr Dr. Hamer
– nach
eigener Aussage – im Jahr 1997 verhaftet wurde und ein Jahr im Gefängnis
verbrachte, bevor er jetzt offenbar auch von der französischen Justiz
verurteilt worden ist.
In verschiedenen von der Universität
Tübingen eingeholten Gutachten und Stellungnahmen wird die unzureichende Seriosität
und wissenschaftliche Vorgehensweise des Herrn Dr. Hamer
aufgezeigt. So
wird dargelegt, dass sein Gedankengebäude „weitgehend auf Annahmen,
Spekulationen und Analogieschlüssen“ beruhe, es sei „völlig abstrus
und losgelöst von Tatsachen und Lebenserfahrung“ und seine Vorstellung
von Patienten erinnerten „an finstersten Okkultismus“.
Gleichwohl wird seitens der
Universität
Tübingen keineswegs ausgeschlossen, dass bei Krebskrankheiten – wie in dem
geschilderten Fall des Patienten Herrn Ernst Fritz – eine Spontanheilung
vorkommen und wohl auch durch psychische Energien gefördert werden kann.
Es besteht aus meiner Sicht aber kein Zweifel daran, dass die Theorien des
Herrn Dr. Hamer nicht nur unhaltbar, sondern sogar sehr gefährlich sind,
da er Patienten von der Behandlung durch erfolgreiche medizinische
Therapien abhält und auf diese Weise großes Leid verursacht.
Exemplarisch verweise ich hier auf das (beil.) Schreiben der Deutschen
Leukämie-Forschungshilfe Aktion für krebskranke Kinder e.V. an die Universität
Tübingen vom 19. Juli 1996, in dem eindringlich auf die
„Scharlatanerie“ des Herrn Dr. Hamer
hingewiesen wird.
Die Anregung des Herrn Dr. Hamer, ihm die Leitung
einer baden-württembergischen Universitätsklinik anzuvertrauen,
erscheint vor diesem Hintergrund als ein weiterer Beitrag dafür, dass
seine Selbsteinschätzung nach wie vor ganz offensichtlich durch einen
erheblichen Realitätsverlust getrübt ist. In Anbetracht dessen halte ich
es für sinnvoll, den pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen des Herrn Dr.
Hamer keinerlei öffentliche Anerkennung zukommen zu lassen.
Mit freundlichen Grüßen, Dein
Professor Dr. Peter
Frankenberg