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Korrespondenz 2002 Germanische Neue Medizin®

 

SPD

Von: "Dr. Jan-Olaf Piontek" <piontek@spdfraktion.de>

Betreff: Ihre E-Mail vom 5.8.2002 

Datum: 06/08/02 17:57:32 

Sehr geehrter Herr L.,

hiermit bestätige ich den Eingang Ihrer E-Mail. Leider muss ich Ihnen
mitteilen, dass mir die Therapie nach Dr. Hamer kein Begriff ist. Ich moechte Ihnen an dieser Stelle unabhängig hiervon kurz das Verfahren der Zulassung neuer Therpieverfahren schildern. Die Bewertung wird für die gesetzliche Krankenversicherung durch ein gesetzlich bestimmtes Fachgremium, den Bundesauschuss Ärzte/Krankenkassen vorgenommen. Im Rahmen dieser Bewertung müssen alle aktuellen Studien, Erkenntnisse verwandt werden. Eine Kostenübernahme für eine neue Behandlungsweise kann nur nach Zustimmung dieses Gremiums erfolgen.

Ich bitte um Verständnis, dass die SPD Bundestagsfraktion keine pro oder contra Positionen gegenüber der Behandlungsmethode von Herrn Dr. Hamer vornehmen kann, da sie keine medizinisch-fachliche Kompetenz besitzt. 

MfG

Dr. Jan-Olaf Piontek

 

Von: "Trautner, Jörg" <Joerg.Trautner@spd.de>

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Betreff: WG: [E-Mail direkt]

Datum: 10/09/02 11:54:12 

Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Die SPD tritt dafür ein, dass zur Qualitätsverbesserung im Gesundheitswesen evidenzbasierte Anforderungskriterien eingeführt werden, an den alte und neu Medizin sich messen lassen sollen. Hierzu werden wir ein Nationales Institut für Qualität in der Medizin einrichten, welches evidenzbasierte Leitlinien und Kosten-Nutzen-Analysen neuer Arzneimittel und Verfahren, erstellt soll.

Das deutsche Gesundheitssystem ist durch gravierende und anhaltende Qualitätsprobleme geprägt. Diese gehen zu einem großen Teil auf Strukturprobleme zurück, deren Lösung Ziel jeder qualitätsorientierten Reform sein muss. Die Probleme sind so ausgeprägt, dass auch eine allein auf Kostenstabilisierung ausgelegte Reform wahrscheinlich nicht ohne die Lösung
dieser Probleme auskommen könnte. 

Für fast alle chronischen und akuten Erkrankungen fehlt es an auf Evidenz basierten Leitlinien, durch die sich ein Arzt oder ein Patient darüber informieren kann, welche Behandlungsverfahren für eine Diagnose überhaupt durch Studien gesichert werden konnten. Die von den Fachgesellschaften entwickelten Leitlinien entsprechen in fast allen untersuchten Fällen nicht dem methodischen Standard, der den Einsatz einer solchen Leitlinie in der Behandlung von Patienten rechtfertigen könnte. 

Eine notwendige Voraussetzung für jede Qualitätsorientierung von Gesundheitsreformschritten und deren Umsetzung ist die Entwicklung von methodisch einwandfreien, in ihrer Erstellung von Industrieinteressen völlig unabhängigen und auf Evidenz basierten Leitlinien. Nur durch solche Leitlinien kann ein Arzt die eigene Qualität kontrollieren, kann ein Patient die ihm angebotene Behandlung bewerten und kann die Selbstverwaltung die Richtigkeit der von ihr unternommenen einzelnen Strukturveränderungen prüfen. Durch Leitlinien erst kann die Frage beantwortet werden, welche Reformschritte in die Richtung einer besseren Prozess- und Ergebnisqualität führen.

Es sollte ein Nationales Institut für Qualität in der Medizin geschaffen werden, welches die wichtigsten Instrumente der Qualitätssicherung, Mindestmengenanalysen, evidenzbasierte Leitlinien und Kosten-Nutzen-Analysen neuer Arzneimittel und Verfahren, erstellt. Damit das Institut nicht zu einer großen Behörde auswächst, sollten die entsprechenden Analysen für Experten aus der klinischen Praxis ausgeschrieben werden, so dass diese mit der methodischen Unterstützung der im Institut tätigen Wissenschaftler entsprechende Gutachten erstellen können. Dabei müssen alle Verbindungen der Experten zur pharmazeutischen Industrie und zur Medizinproduktindustrie offengelegt werden. Repräsentanten von Fachgesellschaften oder ähnlichen Interessensgruppen sind vom Verfahren auszuschließen. Die Bundesausschüsse der Selbstverwaltung, welche diese Instrumente einzusetzen haben, müssen auf eine rechtlich robuste Grundlage gestellt werden und um eine direkte Vertretung der Patienten erweitert werden. 

Mit freundlichen Grüßen 

Jörg Trautner 

SPD-PV

Referat Sozial- und Gesundheitspolitik

 

siehe auch:

 

 

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