Stellungnahme zum
Buch von Frau Giovanna
Conti „Für eine Sinnvolle Biologische Musik aus der Perspektive der
Germanischen Neuen Medizin“
Mit großer Freude und Zufriedenheit stelle ich bei
dieser sicherlich nicht letzten Anstrengung von Frau Giovanna Conti
ein gelungenes Eintauchen in nur scheinbar voneinander entfernte Inhalte
und Praktiken fest, wie es die Musik in ihrer tiefsten Bedeutung und die
Medizin in ihren zahlreichen Anwendungsformen sind. Weil ich mich als
Komponist und Pianist, als „Bewohner der Klänge“ selbst definiere und
einschätze, erweist sich für mich die Anerkennung des „Goldenen
Schnittes“ in der Welt der Musik nicht als neu, sowohl nach meiner
kompositorischen Erfahrung, als auch nach jener Erfahrung meiner
berühmten Vorgänger.
Und dennoch erkenne ich in der Lektüre dieses
Buches ein Gefühl, das über den rein theoretisch-wissenschaftlichen
Aspekt hinausgeht: (Ich muss zugeben, dass ich mit der
Germanischen Neuen Medizin erst
vor Kurzem durch die Autorin in Berührung gekommen bin.) Ich beziehe
mich hier auf die Erkundung der abgelegensten Gebiete der musikalischen
Erkenntnis.
Die Autorin beschränkt sich nicht auf eine bloße
Feststellung der gemeinsamen Beziehungen, Symmetrien und logischer
Zusammenhänge beider Disziplinen, sondern sie begleitet uns, indem sie
uns an die Hand nimmt, in eine Welt voller unerforschter Möglichkeiten.
Ihr Buch ist unter anderem eine faszinierende, sehr genaue, durch
klärende Grafiken veranschaulichte Arbeit.
Jüngst habe ich zu didaktischen Zwecken den
analytisch-musikalischen Ansatz der Schenker'schen Analyse in
Betracht gezogen, musste aber leider dessen offenkundige Unmöglichkeit
feststellen, zu einer endgültigen Zufriedenstellung zu kommen.
„So ist es in der Kunst möglich, von der Synthese
ausgehend zu der Analyse zu kommen, während es nicht gestattet ist,
umgekehrt vorzugehen.“ In dieser Bemerkung von Camillo Togni wird
der Kern der Frage zum Ausdruck gebracht. Das heißt, entgeht zwar das
endgültige Ergebnis einer erhabenen musikalischen Geste der Ratio, sind
jedoch die Gründe, die das Entstehen und das Werden dieser Geste
unterstützen, wie uns das Buch von Giovanna klar macht, von
biologischen Prozessen begleitet. Diese übersetzen nicht nur die
Merkmale der individuellen Erfahrung ins „biologische Gedächtnis“,
sondern sind auf eine gemeinsame Erfahrung in ihrer Entwicklung
zurückzuführen. Aus dieser Perspektive wird der Goldene Schnitt zu einem
Schlüssel, der einem nicht gewohnten Auge ermöglicht, verborgene
Beziehungen und Phänomene zu verstehen, und die biologischen Aspekte der
„dunklen musikalischen Tiefen“ dadurch, dass dieser sie an die
Oberfläche bringt, in Bewegung zu bringen. Giovanna Conti und
ihre brillante Intuition erntet meinen großen Beifall.
Maestro Giorgio Tosi
Novellara, den 13. Juni 2008
Professor für Komposition und Klavier
Dozent für Komposition am Konservatorium „Arrigo Boito“ in Parma.