Maria X., 12. September 1995
Am Sonntag, den 30 Juli wurden in der Tageszeitung EL
PAIS, verschiedene Artikel unter
der Überschrift NEUE KURPFUSCHEREI veröffentlicht. In einem dieser Artikel erscheint
meine Zeugenaussage: Der nämliche "Alternativ-Mediziner" Hamer hat ungefähr
3.000 Krebspatienten in Spanien. Ich bin einer von ihnen und somit ein mit einbegriffenes
Opfer der Psychopathie des Dr. Hamers.
Bis zum heutigen Tage freue ich mich darüber. Vor etwa sechs Jahren rieten mir die
Ärzte des Hospital Clinico aus Granada zu einer sofortigen Entfernung eines
Nierenkarzinoms. Vor fünf Jahren diagnostizierten sie außerdem Metastasen im Gehirn. Ich
habe mich gegen diesen Vorschlag entschieden und habe weiterhin meinen Tumor in der Niere,
ohne die geringsten Beschwerden. Bis jetzt habe ich mir die Chemotherapie, die -
Radiotherapie, die chirurgischen
Eingriffe, Krankenhausabhängigkeit, das Leiden, die
Verwirrung bei meinen Angehörigen und die Kosten (meine eigenen sowohl als auch die der
Versicherung) erspart. Ich habe auch gelernt mit der Angst fertig zu werden und habe
dafür das Vertrauen erlangt, den Umständen mit Gelassenheit gegenüber zu stehen und das
in einem so hohen Maße, daß ich vor eineinhalb Jahren mein achtes Kind zur Welt brachte.
Der Krebs war für mich eine Warnung auf die ich gehört habe und die mir die Möglichkeit
(zumindest bis jetzt) weiterer sechs ausgefüllter Lebensjahre geschenkt hat. Eine Bilanz
die ich nicht negativ bewerten kann, nicht einmal in dem Falle, wenn ich morgen sterben
würde. Wer könnte das sagen, daß ich mich geirrt habe?
In Spanien kenne ich verschiedene Fälle, die meinem eigenen gleichen. Es erstaunt
mich, daß EL PAIS sich dazu hergegeben hat, dieses Thema in einer derart abwertigen und
fast ausschließlichen Art und Weise in diesem und darauffolgenden Artikeln, behandelt zu
haben. Es existieren Daten, die für gute Resultate der von Dr. Hamer angewendeten
Therapie stehen. Meine eigene klinische Geschichte, vollständig dokumentiert, beweist es.
Was hat es für einen Sinn die positiven Aspekte zu unterschätzen und fanatisch die
Aussagen, deren Boshaftigkeit an ihrer Objektivität zweifeln lassen, auszunutzen? Meiner
Meinung nach paßt es nicht zu der Philosophie dieser 'Tageszeitung, sich darauf zu
beschränken, das Echo von sensationslustigen Anklagen, die einer Hexenjagd gleichkommen,
zu sein. Mit dieser Handlungsweise kann ein Leser, der diese Zeitung als
Informationsmittel wegen ihrer verantwortlichen und demokratischen Richtlinie ausgewählt
hat, sich beleidigt fühlen. Ich hoffe, daß der Sinn für Ethik, der in der Redaktion von
EL PAIS noch eine der wenigen Herbergen gefunden hat, genügend Triebfeder ist, um die
vertretene Meinung mit einer seriösen Analyse dieses Themas auszugleichen.
Der folgende Kommentar über Herrn Dr. Hamer hat mich schwer
erschüttert: "Er braucht dringend ärztliche Hilfe, denn er selbst
glaubt an seine gefährlichen Ideen." (30 Juli, am Ende der 5. Spalte),
Dieser Satz ist weder ein Auszug aus einem Werk von Soljenitzen, noch die
Meinung eines ehemaligen KGB-Verantwortlichen, nein, der Schein trügt. Er ist das Urteil
von Peter Pfitzer, früherer Dekan der
medizinischen Fakultät
Düsseldorf ...! Ein Europäer mit gesundem Verstand, genau wie in den guten alten Zeiten.
Ich vermute, daß hinter dem Geschrei von einigen Verteidigern der körperlichen und
geistlichen Gesundheit der Bürger, etwas mehr als Selbstlosigkeit steckt. Es ist Angst,
Angst die das ärztliche "Establishment" fühlt, in dem Moment wo die Grundlage ihres
"modus operandi" - oder sollen wir vielleicht sagen ihres komfortablen
"modus vivendi", in Frage gestellt wird. Denn wenn es Tatsache ist, daß Krebs
"tödliche Zellen" hervorbringt, ist es aber auch Tatsache, daß die Industrie,
die die Waffen für diesen Kampf liefert, gewaltige Verdienste einbringt. Es wäre ja
wirklich zu Schade, wenn der "Kampf" nun mit einigem Nachdenken und dem Willen
des Patienten gewonnen werden könnte.
In Österreich war die Reaktion klar und deutlich. Die Eltern eines Kindes wurden als
Entführer der eigenen Tochter angeprangert, als sie das Kind nach Spanien brachten, um
somit dem Kind die Behandlung, nicht die Chemotherapie, angedeihen zu lassen, die sie für
richtig hielten. Schließlich wurde das Kind den österreichischen Behörden ausgeliefert
und zur Chemo in einem Wiener Krankenhaus gezwungen. Das ist ein ernstes Thema, eine Frage
der Freiheit. Natürlich könnten die Eltern sich irren, aber das ist nicht so absolut
sicher zu behaupten.
Wir haben also erfahren, daß es in einem Teil Europas eine "Staatsmedizin"
gibt und die demokratische Presse nimmt das auf die leichte Schulter mit der billigen
Entschuldigung, daß Hamer ein Psychopath sei. Sie nennt ihn "Sektenführer",
warum nicht gleich "Hexer"? Die, die den schlechten Geschmack haben, bei guter
Gesundheit zu sein, obwohl ihnen vor Jahren Krebs diagnostiziert wurde, werden
"Anhänger" genannt (Anhänger des Lebens ist wohl damit gemeint?). Ich
hoffe nur, daß ich nicht eines Tages mit Handschellen in den Operationssaal geführt
werde!
Die These von Herrn Dr. Hamer ist genauso fragwürdig, wie die von Galileo oder von
jedem anderen, aber hysterische Verdammungen sind ganz gewiß nicht mehr in Mode. Auch die
Schulmedizin ist fragwürdig. Die Rolle der Forscher beschränkt sich nicht
ausschließlich auf die Erweiterung von schon vorhandenen Kenntnissen, sondern sie soll
auch auf der Suche nach neuen Ansatzpunkten sein. Nachdem die Resultate des Kampfes gegen
den Krebs trotz des hohen menschlichen und finanziellen Einsatzes traurigerweise weit von
der Lösung entfernt sind, sollte doch mit wissenschaftlichem Interesse die Möglichkeiten
geprüft werden, die auf einer nennenswerten Erfolgsquote (15.000 Hamer) basieren. Es
wäre sicherlich interessant eine Studie der Statistiken auszuführen, um zu sehen, wie
dabei Methoden ( das Verhältnis Qualität-Kosten mit einbegriffen) abschneiden.
Die Schulmedizin, so wie sie im allgemeinen praktiziert wird, schenkt den emotionalen
Problemen und den Lebensumständen der Patienten, die zu seiner Krankheit geführt haben,
wenig Beachtung. Hamer hingegen tut genau das Gegenteil. Er zeigt den Ursprung des Krebs
im emotionalen Bereich. Diese Theorie muß denen, die den menschlichen Körper als
Maschine betrachten, die man reparieren kann wenn sie kaputt geht, sehr extrem erscheinen,
aber andere wissen, daß der Mensch eine Einheit darstellt und daß seelische Faktoren
eine entscheidende Rolle in der Gesundheit des Einzelnen spielen. Es scheint mir sehr
bedenklich, daß die Medien mit einer solchen Leichtigkeit, denen die diesem Antagonismus
durch Lynchen ein Ende machen wollen, die geeignete Arena zur Verfügung stellen.
Die Presse sollte lieber ein Forum für Intelligenz an Stelle von Zorn sein und ein Mittel
durch das sich beide Stellungen ausdrücken können und analysieren lassen. Die enorme
Kraft, die im Kampf gegen den Krebs aufgewandt wird und die Unmenge von Leiden, die diese
Krankheit heutzutage verursacht, sind doch sicherlich Grund genug, um andere
Möglichkeiten zu erforschen.
Maria X.