| Beglaubigte Abschrift AZ: 30 UF 390/09
AZ 1. Instanz: 3 F 752/09 AG Kempten (Allgäu)
Protokoll
aufgenommen in der nichtöffentlichen Sitzung des
Oberlandesgerichts -30. Familiensenat-München, am Mittwoch, den
18.11.2009 in Augsburg
Gegenwärtig:
Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Prexl
Richterin am Oberlandesgericht Jäger-Kampf
als Beisitzer
Richterin am Oberlandesgericht Haslinger
als Beisitzer
Justizangestellte Kramer
als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle
In der Familiensache
Mutter:
Rehklau Erika, Wetzleberg 3, 87452 Altusried
Prozessbevollmächtigte :
Rechtsanwältin Steinacker Birgit, Olgastraße 53, 70182 Stuttgart
Vater:
Rehklau Fritz, Grundstraße 8, 88074 Meckenbeuren
Prozessbevollmächtigte :
Rechtsanwältin Steinacker Birgit, Olgastraße 53, 70182 Stuttgart
Kind:
Rehklau Susanne, geboren am 30.03.1997
Verfahrensbeistand :
Rechtsanwältin Neusinger Martina. Herrenstraße 14, 87439 Kempten
Jugendamt:
Kreisjugendamt Oberallgäu, Oberallgäuer Platz 2, 87527 Sonthofen
wegen elterliche Sorge
hier: einstweilige Anordnung
erscheinen bei Aufruf der Sache:
1. Antragstellerseite:
- Rehklau Erika
- Rehklau Fritz
2. Sonstige:
Kind
- Rehklau Susanne
- Verfahrensbevollmächtigte Neusinger Martina
Susanne Rehklau wird in Anwesenheit der Verfahrenspflegerin
und in Abwesenheit der Eltern angehört:
Ich bin heute schon um 1/2 7 Uhr aufgestanden. Ich bin mit meinen
Eltern und meinem Bruder im Auto nach Augsburg gefahren. Im Moment fühle
ich mich gut.
Im Moment gehe ich nicht in die Schule. Ich bin derzeit zuhause.
Seit ich aus der Klinik in Ulm
entlassen worden bin, gehe ich nicht mehr in die Schule. Meine Mama ist
zuhause und kümmert sich um mich. Meine 6 Geschwister wohnen auch alle
bei meiner Mama.
Ich nehme im Moment keine Medizin.
Seit ich aus dem Krankenhaus entlassen worden bin, war ich bei keinem
Arzt, auch nicht bei Frau Dr. Ullner. Frau Dr. Ullner kenne ich.
Auf die Frage an Susanne, ob sie etwas über ihre
Krankheit erzählen möchte, stellt Susanne folgende Frage:
Mich würde interessieren, ob die
Germanische Neue Medizin stimmt, weil nach der werde ich gerade
behandelt. Das ist eine Sache, die mich beschäftigt.
Wir machen jeden Monat ein CT vom Bauch. Wir machen noch im November
ein CT vom Bauch, auch im Dezember, im Januar und im Februar auch. Im
März wird dann das letzte er gemacht.
Der Dr. Hamer meint, dass
wenn ein Kind so einen Krebs hat, dass das an einem Konflikt liegt.
Der Dr. Hamer versucht dann
den Konflikt zu lösen; der Dr. Hamer
meint, wenn der Konflikt gelöst ist, geht der Krebs von alleine weg.
Ich habe zwei Mal mit Herrn Dr. Hamer
telefoniert, meine Eltern haben schon oft mit Dr.
Hamer telefoniert.
Wir haben dem Dr. Hamer
Bilder und Unterlagen gefaxt. Der Dr.
Hamer hat zu mir etwas von einer
Nierenzyste gesagt. Er
hat mich gefragt, ob ich einen Badeunfall gehabt habe.
Ich konnte mich dann erinnern, dass ich mit 6 Jahren einen Badeunfall
gehabt habe.
Dr. Hamer hat mich auch noch
gefragt, ob ich in der letzten Zeit einmal auf den Bauch gefallen bin.
Es war so, dass ich im Juni 2009 auf den Bauch gefallen bin. Herr Dr.
Hamer hat gesagt, dass sich durch
den Badeunfall eine Zyste gebildet hat. Ich war einmal im März 2009 im
Kristallbad; nach Dr. Hamer
sollte sich dann der Konflikt gelöst haben, weil ich mich nämlich wieder
getraut habe, unter das Wasser zu tauchen, was ich mich früher nicht
getraut habe.
Dr. Hamer meint, dass durch
den Sturz auf den Bauch die Zyste aufgeplatzt sei. Dr.
Hamer hat dann auch noch gesagt,
dass die Flüssigkeit aus der Zyste in den Bauch gelaufen ist.
Dr. Hamer hat mich beim
ersten Telefonat nur gefragt, ob ich einen Badeunfall gehabt habe und ob
ich auf den Bauch gefallen bin. Dann hat er mit meinen Eltern
telefoniert. Was ich vorhin ausführlich über den Badeunfall bis zum
Aufplatzen der Zyste erzählt habe, haben mir meine Eltern erzählt.
Das erste Telefonat des Dr. Hamer
mit mir war, nachdem ich in Burghausen eine
Chemotherapie gemacht hatte. Die
Chemotherapie in Burghausen war im August. Danach hat mich Dr.
Hamer angerufen.
Ich möchte keine Chemo machen, weil der Dr.
Hamer sagt, es geht mit seiner
Medizin anders.
Das zweite Telefonat mit Dr. Hamer
war im November.
In diesem Telefonat hat mir Dr. Hamer
dazu gratuliert, dass ich nicht mehr im Krankenhaus bin.
In Tübingen und in
Ulm haben sie zu mir gesagt,
dass man die Krankheit, die ich habe, nur mit
Chemotherapie heilen kann; deswegen würde mich interessieren, ob man
meine Krankheit auch mit der Methode des Dr.
Hamer behandeln kann und zwar so,
dass es wieder gut wird. Bei einer
Chemotherapie geht es einem nämlich nicht so gut.
Ich weiß, dass die Methode des Dr.
Hamer in Deutschland verboten ist.
Ich würde es gut finden, wenn die Methode Dr.
Hamer in Deutschland anerkannt wäre
und man dann Kinder, die so eine Krankheit haben wie ich, auch in
Deutschland damit behandeln könnte und nicht nur mit
Chemotherapie behandeln müßte.
Wenn sich herausstellen würde, dass die Methode des Dr.
Hamer nichts taugt dann wäre mir
doch eine
Chemotherapie lieber. Man könnte doch in einer Klinik testen lassen,
ob die Methode des Dr. Hamer
hilft.
Auf nochmalige Nachfrage erklärt Susanne:
Wenn die Methode Dr. Hamer
mir nicht helfen kann, dann möchte ich eine andere Behandlung, die mir
hilft.
Im Moment habe ich keine Schmerzen.
Ich habe mit meinen Eltern nicht gesprochen, was man machen könnte,
nachdem die Methode Dr. Hamer in
Deutschland verboten ist.
In der Gisunt-Klinik war ich nur einmal zur Kontrolle. Die
Gisunt-Klinik hat gesagt, dass sie keine Hyperthermie macht, wenn die
Klinik in Tübingen eine
Chemotherapie macht. Deswegen konnten wir dort nicht behandelt
werden. Jedenfalls habe ich das so verstanden.
Auf Frage erklärt Susanne:
Ich möchte auf jeden Fall wieder gesund werden.
Wenn ich gefragt werde, ob ich in ein Krankenhaus gehen würde und
mich mit einer
Chemotherapie behandeln lassen würde, wenn ich nur so gesund werden
könnte, möchte ich nochmals sagen, dass mich interessieren würde, ob die
Behandlungsmethode des Dr. Hamer
stimmt, weil man ja dann keine
Chemotherapie braucht und auch keine Schmerzen hat, die die
Chemotherapie verursacht.
Ich denke, dass Sie mir helfen könnten, wenn Sie anordnen, dass man
die Therapie des Dr. Hamer in
der Klinik prüft.
Auf Frage der Verfahrenspflegerin:
Ich möchte nur, dass man in einer Klinik prüft, ob die Methode Dr.
Hamer hilft; in welcher Klinik man
das prüft, wäre mir egal. Es müßte keine spezielle Klinik, wie die
Gisunt-Klinik, sein.
Auf Frage des Gerichts:
Wenn ich sage, dass die Methode in einer Klinik geprüft werden soll,
meine ich das so, dass man krebskranke Kinder fragen sollte, ob sie
bereit sind, die Methode Dr. Hamer
an sich ausprobieren zulassen.
Mir geht es schon etwas besser, ich bin schon ein bisschen gesund.
Man sollte aber bei anderen Kindern die Methode Dr.
Hamer von Anfang an anwenden. Wenn
man das jetzt nur bei mir prüft, weiß man nicht, ob die Methode Dr.
Hamer auch bei größeren Tumoren
hilft, weil mein Tumor ist ja jetzt schon kleiner.
Auf Frage erklärt Susanne:
Ich besuche derzeit die 7. Klasse. Seit ich aus der
Klinik Ulm entlassen worden
bin, gehe ich nicht mehr in die Schule. Das ist wegen meiner Krankheit
und auch wegen der Presse.
Klassenkameraden haben mir geschrieben und mich auch angerufen; das
hat mich gefreut.
Sitzungsbeginn: 09.00 Uhr
Sitzungsende: 10.05 Uhr
Protokoll wurde fertiggestellt am: 18.11.2009
gez.
Prexl
Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht
gez.
Kramer, JAng
als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle
Für den Gleichlaut der Abschrift mit der Urschrift
Augsburg, 18.11.2009
Kramer, JAng
Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle |