
Kleine Zeitung, 23.06.1989
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Primar-Appell an Zuhörer: "Lassen Sie sich bitte
nicht verunsichern!"
Mit einer leider viel zu kurzen Konfrontation zwischen bekannten Kärntner
Primarärzten und dem sogenannten alternativen Krebsforscher, Dr. Ryke Hamer, endete am
Mittwoch dessen Vortrag in Klagenfurt.
Auf einen kurzen Nenner gebracht, wähnt sich Hamer im Besitz einer neuen Erkenntnis
über die Geißel Krebs. Seiner Ansicht nach sei die chirurgische und chemotherapeutische
Behandlung Krebskranker in den meisten Fällen überflüssig, Krebs entstehe durch
Konflikte, die gelöst werden müßten. Eine Heilung könne durch Geist und Seele erreicht
werden.
Hamer, ein Internist aus Tübingen, bekam wegen seiner wissenschaftlich unhaltbaren
Thesen ein Praxisverbot. Er meint etwa, daß man auf Röntgenbildern vom Gehirn
"Hamersche Herde" erkennen könne, die auf bestimmte Krebsformen hindeuten. Aber
die Schulmediziner könnten diese Bilder nicht richtig deuten. Sie stünden davor wie
Ochsen vor einem Scheunentor. Primar Dr. Heinz Sterz meinte dazu: "Tausende
Mediziner sind in der Krebsforschung tätig und das sind keine Trotteln, aber da kommt
einer und nennt uns alle Trotteln."
Prim. Univ. Prof. Dr. Lanner betonte, daß Hamers Aussage Unsinn sei.
Aufgrund seiner jahrelangen Praxis wisse er, daß es solche Herde im Gehirn nicht gebe,
sondern nur Absiedlergeschwülste (Metastasen) bestimmter Karzinome, die rausoperiert
werden müßten. Täte man das, wie Hamer vorschlägt, nicht, so sterbe der Patient. "Lassen
Sie sich nicht in die Irre führen", appelliert Lanner
an die Zuhörer.
Mit Kopfschütteln verfolgten u.a. Dozent Primar Dr. Stephan Szalay
und der Internist Dr. Kloker die Ausführungen Hamers. Letzterer fragte,
wo Hamer Medizin studiert habe. Er sage Sachen, die einfach nicht stimmen. Etwa wenn er
von einem kalten (stagnierenden) und heißen (fortschreitenden) Krebs spricht. Prim. Doz.
Dr. Kobinia dazu: Das Charakteristikum von Krebs sind eben Zellen, die
sich schneller teilen als andere. Hamers Aussage sei ein Widerspruch in sich. Als
besonders bedenklich und unverantwortlich empfanden die Ärzte Hamers Ratschlag an Frauen,
sie sollten einem "Knötchen in der Brust" keine Aufmerksamkeit schenken.
siehe auch:
Statements nach Vortrag Dr. Hamer,
21.6.89
Eine Betroffene, 30.7.89
Briefe für Neue Medizin, No. 3/89