
Schorndorfer Nachrichten, 15.10.1991
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Katharina kommt nach Tübingen
MARKT RETTENBACH (lsw) - Die dreijährige an Leukämie erkrankte Katharina
aus Markt Rettenbach im die Landkreis Unterallgäu wird zur weiteren Behandlung in die
Universitätskinderklinik Tübingen gebracht. Auf diesen Kompromiß einigten sich das
zuständige Jugendamt und der Rechtsanwalt der Familie. Nach Angaben des Anwalts vom
Montag soll Katharina in Tübingen eine "herabgeminderte Art der
Chemotherapie als weitere Behandlung" erhalten. Die Wahl der
Universitätskinderklinik war möglich geworden, nachdem das Amtsgericht Memmingen einen
Beschluß geändert hatte, der die Einlieferung des Mädchens in die Universitätsklinik
von Ulm vorschrieb.
Nach wie vor hält das Gericht seinen Beschluß aufrecht, der den Eltern das Sorgerecht
entzogen und das Jugendamt Mindelheim entsprechend eingesetzt hat. Der Rechtsanwalt der
Familie stellte am Montag einen Antrag beim Memminger Amtsgericht, den Beschluß
aufzuheben und das Sorgerecht den Eltern zurückzugeben. Wer die freie Arztwahl habe, habe
auch das Recht auf freie Wahl der Behandlungsmethode, argumentierte der Rechtsanwalt
gestern.
Die Eltern wehren sich noch immer gegen eine weitere chemotherapeutische Behandlung
ihrer Tochter, da die erste, in einer Klinik in Ulm vorgenommene Stufe bei dem schwere
körperliche und psychische Schäden verursacht habe. Deshalb hatten die Eltern ihr
dreijähriges Töchterchen versteckt gehalten, weil sie befürchteten, daß es ihnen
weggenommen wird.
siehe auch:
Informationsdienst Amici di Dirk, 2/92