
EXPRESS, 21.11.1991
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Katharinas Angst vor den Chemo-Ärzten
Vater des leukämiekranken Mädchens erhebt erneut schwere
Vorwürfe
Dreijährige wieder zurück in Deutschland
exp München - "Kommen die Männer wieder und wollen mich holen?" Angst
spiegelt sich im Gesicht der kleinen Katharina. Angst davor, wieder von Mutter und Vater
getrennt in einer Klinik allein im Zimmer zu liegen. Die Dreijährige hat Leukämie, wurde
mit Chemotherapie behandelt. Bis Vater Alban sie in die USA entführte (EXPRESS
berichtete).
Seit Dienstag ist die Kleine wieder in Deutschland. Am Münchner Flughafen Riem
warteten hunderte auf die Kleine, die das Herz vieler Eltern rührte. Hildegard Scharpf
schloß ihre Katharina weinend in die Arme.
Alban Scharpf hatte seinem Kind die Chemotherapie ersparen wollen. Doch der
Ulmer
Professor Enno Kleihauer ließ den Eltern das Sorgerecht entziehen.
Begründung: Außer der Chemotherapie
gebe es keine Rettung.
Der Vater floh mit Katharina nach Amerika. In der berühmten
Mayo-Klinik bei Rochester sollte sie alternativ behandelt werden. Jetzt erhebt der
36jährige schwere Vorwürfe.
Katharina habe nicht behandelt werden können, weil die Tübinger Ärzte auf stur
geschaltet hätten. Medizinische Unterlagen seien nicht ausgeliefert worden.
Außerdem sei festgestellt worden, daß Katharina keinen Blutkrebs mehr habe, chemische
Behandlung also nicht mehr erforderlich gewesen sei. "Eine Chemotherapie
kommt für uns nicht mehr in Frage", erklärten Alban und Hildegard
Scharpf am Dienstag mit Nachdruck. "Durch diese Behandlung erlitt
Katharina schwere körperliche und seelische Schäden."
"Es kann doch nicht angehen, daß der Anruf eines Professors bei
Gericht zu einer Entmündigung genügt", kritisierte der Vater das
Verhalten der Behörden. Das Sorgerecht wurde ihm und seiner Frau mittlerweile wieder
zuerkannt.
Jetzt soll ein Kinderarzt im Schwäbischen das Mädchen weiterbehandeln. Ohne
Chemotherapie. Das ließen sich die Eltern ausdrücklich versichern. Und sie beruhigten
die kleine Katharina, als sie nach den "Männern" fragte: "Sie werden nie
mehr kommen."
siehe auch:
Informationsdienst Amici di Dirk, 2/92