
Neue Zeit, 18.12.1998
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Der "Fall Olivia" wird schon bald ein zweites gerichtliches Nachspiel
haben: "Wunderheiler" Ryke Geerd Hamer, der das Mädchen behandelte, muß in
seiner Heimatstadt Köln deswegen erneut vor den Richter.
Köln. Der Leidensweg der damals sechsjährigen Olivia Pilhar hatte im Sommer
1995 ganz Europa bewegt: Weil die Eltern der krebskranken Niederösterreicherin dem
selbsternannten Wunderheiler Ryke Geerd Hamer vertrauten, flohen sie mit ihrer Tochter bis
nach Spanien, ehe sie auf Interventionen
von höchster Stelle zurück nach Österreich kamen. Olivia gilt als geheilt, seit sie sich
gegen den Willen ihrer Eltern einer Chemotherapie im Wiener AKH unterzog.
19 Monate Haft
Das Ehepaar wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung zu jeweils acht Monaten bedingt verurteilt.
Ryke Geerd Hamer, dem bereits vor zwölf Jahren
die Approbation entzogen worden war, wurde
im Vorjahr wegen anderer Fälle - zwei seiner Patienten starben qualvoll während der
Behandlung - in Köln zu 19 Monaten Haft verurteilt, ist aber inzwischen wieder auf freiem
Fuß. Gestern gab die Kölner Staatsanwaltschaft bekannt, daß sich der 63jährige wieder
vor einem Schöffengericht in seiner Heimatstadt verantworten muß: Die Anklage in der
Causa Pilhar ist fertig, der genaue Prozeßtermin steht noch nicht fest. Ob das Mädchen
als Zeugin gehört werde, stehe noch nicht fest, erklärte der Sprecher des Kölner
Amtsgerichts, Georg Schwitanski. Die Eltern, die nach wie vor als
Anhänger von Hamers Theorien gelten, werden als Zeugen allerdings unverzichtbar sein. Der
Prozeß wird deswegen in Köln stattfinden, weil sich Hamer vehement weigert, nach
Österreich zu kommen. Eine Auslieferung für den Prozeß ist nicht möglich.
siehe auch:
Wie ist der Stand der Dinge im Olivia-Prozeß gegen Hamer?