
DIE NEUE FRAU, ca. Oktober '99
Impressum
Königin von Italien - das wär’ sie gerne
... und Victor Emanuel der König. Doch er darf seine Heimat
Italien bis jetzt nicht einmal betreten
Prinz und Prinzessin klagen vor dem Europäischen Gerichtshof
in Straßburg auf Heimkehrrecht
"Die Rückkehr zur Monarchie wird es in allen Ländern
geben, die einmal eine waren", verkündete Victor Emanuel
(62),
italienischer Kronprinz im Wartestand im Jahre 1992. Und fügte hinzu: Ein
(künftiger) König mit belgischem Diplomatenpaß, Wohnsitz in Portugal und der
Schweiz sei über Politfilz und Parteienskandale seines Landes erhaben. Das mag
schon sein.
Aber über private Skandale kann er eigentlich nur
äußerlich und oberflächlich erhaben sein. Über die könnte seine Frau
Gemahlin Marina Doria (64) ein dickes Buch schreiben - sie mußte einige
miterleben und blieb doch treu und lieb an seiner Seite. Vielleicht, weil auch
sie die Hoffnung nicht aufgegeben hat, doch noch irgendwann Königin von
Italien zu werden.
Aber das ist schwierig. Denn 1947 wurde ein Gesetz
verabschiedet, das männlichen Mitgliedern des Königshauses Savoyen das
Betreten des Heimatbodens schlicht verbietet. Jetzt klagt das Ehepaar vor dem
Europäischen Gerichtshof in Straßburg. Es möchte heimkehren dürfen. Das
wiederum empfindet die Bevölkerung des Landes als Posse. Man sei Republik und
wenn schon König, dann, bitte, einen mit weißer Weste.
Arme Marina Doria. Sie hat sich ihr Leben sicher anders
vorgestellt. Das Mädchen aus reichem Schweizer Hause (Vater war Keksfabrikant)
wollte schon immer hoch hinaus. Rein sportlich schaffte sie es bis zur
Weltmeisterin im Wasserskifahren, gesellschaftlich - fürs erste - zur
umworbenen Schönheit des Jet-sets. Gunter Sachs, damals noch begnadeter
Playboy, erlag angeblich ihren Reizen. Von einer heißen Affäre mit einem
persischen Lebemann war ebenfalls die Rede.
König Umberto wollte die Hochzeit mit allen Mitteln
verhindern
Doch dann kam er an den heißen Strand von St. Tropez: Victor
Emanuel. Groß, blond, blauäugig, sportlich gestählt, draufgängerisch,
ausgestattet mit diesem gewissen Hauch von brutalem Charme, auf den manche
Frauen fliegen. Zum Beispiel Marina. Im Oktober 1963 gab das optisch so schöne
Paar bekannt: "Unsere Hochzeit ist nur noch eine Frage von wenigen
Monaten."
Doch daraus wurden Jahre. "Störenfried" des
schnellen Happy-ends war Victor Emanuels Vater, König Umberto, der 1946 nach
nur 34tägiger Regentschaft Italien verlassen mußte und in Cascais (Portugal)
im Exil lebte. Diesem Erzkatholiken war die Bürgerliche mit Vorleben ein Dorn
im Auge. Er hintertrieb die morganatische (nicht standesgemäße) Ehe mit allen
Mitteln.
Als er sie nicht mehr verhindern konnte, ließ Umberto drei
Tage vor der Hochzeit von einem Sprecher verkünden: "Seine Majestät weiß
nichts von einer Verbindung des Kronprinzen mit einem Fräulein Doria" und
blieb der Vermählung fern.
Die Trauung fand 1971 in Teheran statt. Das Paar war vom
Schah zur 2500-Jahr-Feier geladen und nutzte dort die Gelegenheit, sich in der
Don-Bosco-Kapelle des Salesianer-Ordens das Ja-Wort zu geben. Die Hochzeit wurde
insofern ein Medienereignis, als nur Fotografen und Journalisten einer einzigen
Mailänder Zeitschrift dabeisein durften, angeblich für 500 000 Mark. Das war
damals absolut unüblich. Victor Emanuel soll auch sonst ganz gut verdient
haben. Beispielsweise als Makler im Dienste italienischer Großkonzerne. So
fädelte er den Verkauf von knapp 600 Hubschraubern an die iranische Armee ein
und konnte von der Provision Marina Doria verwöhnen, was sie natürlich genoß.
Marina Doria genoß den Aufstieg in den Hochadel
Auch ihren Aufstieg in die hochadelige Gesellschaft. Sie
zählte zu den elegantesten Erscheinungen bei fürstlichen Hochzeiten und tat
so, als ob sie das Getuschel hinter ihrem Rücken nichts anginge. Doch das galt
eher ihrem Mann. Denn der war angeblich auch in illegale Waffengeschäfte
verwickelt. Der Name Victor Emanuel tauchte öfters in der Anklageschrift zu
einem Waffenschieberprozeß des Richters Carlo Palermo auf. Außerdem soll er
Mitglied der berüchtigten Geheimloge "P 2" gewesen sein. Sein
Kommentar: Es sei alles Nonsense, die Savoyer sollten lediglich demontiert
werden.
Das tat er dann gründlich selbst: Im August 1978 wähnte er
sich während eines Urlaubs auf der Insel Cavallo vor Korsika als Opfer eines
Diebstahls. Der Waffennarr enterte mit einem Gewehr die Yacht eines Römers, im
Handgemenge gingen beide über Bord, eine Kugel (Victor Emanuel behauptet bis
heute, sie stammte nicht aus seinem Gewehr) löste sich und traf den völlig
unbeteiligten deutschen Student Dirk Hamer. Der starb qualvoll an den Folgen.
Seine Königliche Hoheit mußte in Untersuchungshaft nach Ajaccio und wurden in
Handschellen vorgeführt. Im Prozeß (1991) sprach man ihn zwar frei, aber
Zweifel bleiben. Und Marina, die treue Seele, hielt zu ihm.
Vater Umberto nicht. Er söhnte sich zwar mit Marina Doria
aus, als er merkte, daß sie eine patente Frau und liebevolle Mutter von Sohn
Filiberto war; mit seinem Sohn aber nicht. Als der Ex-König im März 1983
starb, soll er den Kronprinzen (er hat noch die lebenslustigen Schwestern Maria
Pia, Maria Gabriella und Maria Beatrice) testamentarisch aufs Pflichtteil
gesetzt haben.
Angeblich nicht mit Geld sondern mit Haus- und Grundbesitz in
Italien. Späte Rache eines enttäuschten Vaters? Denn der Besitz nützt dem
Erben zur Zeit noch gar nichts - er darf ja nicht in seine Heimat. Aber Marina
Doria könnte ja mal nach dem rechten sehen, um ihm dann zu erzählen, wie es
wäre, in Italien König und Königin zu sein.
Anmerkung:
Laut Dr. Hamer legte der Kronprinz nach der Tat
(Schuß auf
Dirk Hamer) ein schriftliches Geständnis ab, widerrief es aber, nachdem ihm der
vorsitzende Richter im Prozeß diesen Ratschlag erteilte. Daraufhin konstruierte
das Gericht einen - nie gesehenen - Dritten, der diesen Schuß abgegeben haben
könnte, zufälligerweise auch das gleiche Kaliber verwendet haben muß und sprach den angeklagten Kronprinzen 'im Zweifel für den Angeklagten'
frei ...
Mit wem es Dr. Hamer von Anfang an zu tun hatte - vor allem
seit der Entdeckung der Neuen Medizin - wird aus diesem Artikel ersichtlich; P
2, Logen, Hochadel ...
Übrigens: Die Kugeln stammen aus der österr.
Munitionsfabrik 'Hirtenberger'. Vater Umberto war der einzige, der sich
persönlich bei der Familie Hamer entschuldigte. Er verstarb an Knochenkrebs
(Selbstwerteinbruch).