AKTENVERMERK
17.9.1995, 22.30 Uhr
von: Helmut Pilhar
wegen: Olivia Operation – Telefonat mit Dr. Horcher
Aufgrund der Vorkommnisse in der letzten Stunde habe ich jenen Arzt
angerufen von dem ich erfahren habe, daß er angeblich als Operateur
vorgesehen ist. Es sei dies Dr. Horcher. Ich erreiche ihn in
Perchtoldsdorf unter der Nummer xxxxx.
Es meldet sich ein Herr, ich stellte mich vor und erklärte, mit Dr. Horcher
sprechen zu wollen. Der Herr reagierte ungehalten und ich bemühte mich zu
klären, ob er Dr. Horcher sei, was er dann bejahte. Er habe mit
mir nichts zu sprechen, es sei ungehörig, ihn so spät zu stören. Ich
erwiderte, "das sagen Sie mir, wo ich vor einer halben Stunde
erfahren habe, daß mein Kind operiert wird?"
Dr. Horcher behauptete daraufhin, es sei in Anwesenheit mit
mehreren Ärzten die Operation mit meiner Frau besprochen worden und sie
sei einverstanden. Ich erwiderte, daß dies nicht stimmt. Dr. Horcher
bestand darauf, daß dies so sei. Ich fragte dann nach der Art der Operation. Antwort: "Darum muß ich mich kümmern." Erst als ich
auf eine konkrete Antwort bestand, erklärte Dr. Horcher, meine
Frau habe ihn bereits gebeten, die funktionierende Niere soweit als
möglich zu erhalten (vermutlich wird jetzt dieser Wunsch und die
Resignation meiner Frau, daß sie nichts gegen den Willen der Ärzte
erreichen kann, als Einverständnis zur Operation umgemünzt).
Er glaubt, daß die Niere komplett entfernt wird, aber er wird sehen
was er tun kann.
Ich betonte eindringlich, daß weder meine Frau noch ich diesem
übereilten Eingriff zustimmen. Sagte er vorher noch in einer Passage,
daß meine Meinung für ihn nicht relevant sei, stellte er nun doch in
Aussicht, die Frage der Operation
und des Termins nochmals zu überlegen
und zu erörtern, eventuell den Termin zu verschieben. Es kann aber sein,
daß trotzdem morgen operiert wird.
Vorher sagte der Arzt noch über Vorhalt, ich sei deswegen den
Erörterungen nicht beigezogen worden, weil ich nicht anwesend gewesen
sei.
Ich rufe sofort meine Frau an. Diese erklärt ausdrücklich niemals
eine Einverständniserklärung abgegeben zu haben. Es ist daher
offenkundig, daß allein daß sie sich in Gespräche mit den Ärzten
eingelassen hat, ihr jetzt als Zustimmung ausgelegt wird.
Helmut Pilhar