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Buchauszug

'Olivia - Tagebuch eines Schicksals'
Ing. Helmut Pilhar

Krebs!!!

Donnerstag, 18.5.1995:
Erika blieb also von der Schule zu Hause. Ich fuhr wie jeden Tag zu meinem Arbeitsplatz nach Wien. Um ca. 14:00 Uhr erhielt ich einen überaus besorgten Anruf von Erika, daß mit Olivia etwas nicht stimme, und ich müsse sofort nach Wr. Neustadt kommen. Näheres wollte Erika mir am Telephon nicht sagen. Ich war entsetzt und hatte dunkle Vorahnungen. Ich ließ alles stehen und liegen und machte mich sofort auf den Weg. Während der Bahnfahrt überlegte ich fieberhaft, wie dies alles einzuordnen sei. Woran sollte Olivia leiden, was sollte ihr geschehen sein? Schließlich verfiel ich darauf, Olivia könnte einmal von einem Unhold vergewaltigt worden sein. Sollte dies vor Monaten geschehen sein, so hätte ich mir Olivias Schmerzen im Bauch und ihre Angst, von der Mutter verlassen zu werden, erklären können. Aber wer sollte hierfür in Frage kommen? War es vielleicht sogar ein guter Bekannter oder Verwandter? Ich rotierte und konnte die Dauer der Bahnfahrt kaum ertragen. Endlich stieg ich in Wr. Neustadt aus dem Zug aus und sah kurz darauf Erika mit Olivia vis-à-vis am Bahnhofsgebäude auf mich warten. Olivia winkte mir zu, und ich beruhigte mich sofort. So arg konnte es schon nicht um Olivia stehen, dachte ich mir. Endlich gelangte ich bei den beiden an und bestürmte sofort Erika mit Fragen, ohne Olivia aus den Augen zu lassen, als hätte ich an ihrem Verhalten irgend ein Indiz für ihre Krankheit erkennen können. Erika wollte nicht vor dem Kind sprechen. Für mich war die Situation kaum erträglich. Was war los? Erika machte keinen guten Eindruck auf mich. Irgend etwas bedrückte sie sehr. Ich mußte mich gedulden, bis wir an unser Auto gelangten und Olivia in den Fond stieg. Da erst flüsterte Erika mir zu, woran Olivia leide. „Ein Tumor!“, erklärte Erika. Olivia hätte an der Niere einen Tumor im Stadium II. Olivia hat Krebs.

Olivia hat Krebs !
Olivia hat Krebs !!
Olivia hat Krebs....

Gegen 14:30 Uhr fanden wir uns bei dem Radiologen in Mödling ein, um ein Kopf-CT von Olivia erstellen zu lassen. Alles verlief ohne Komplikationen. Ich bewunderte die Ärzte, die sich im Stillen zusammengeschlossen hatten, um Patienten entsprechend der NEUEN MEDIZIN helfen zu können. Aus den erhaltenen Skripten über die Neue Medizin wußte ich über deren Schwierigkeit, anerkannt zu werden, und daß in gewissen Kliniken und auch Praxen die Erstellung eines Kopf-CTs nicht mehr zugelassen wurde. Damit wollte man es Patienten erschweren, die sich für die Neue Medizin entschieden hatten.

Von Dr. Hamers Meinung über die psychische Ursache der Krebsentstehung angetan, versuchte ich mich an eine mögliche Ursache bei Olivia heranzutasten. Es kam vor dem Schlafengehen zu folgendem Gespräch mit Olivia:

Vater: Olivia, fürchtest Du Dich vor der Dunkelheit?
Olivia: Nein, aber vor dem, was ich träume.
Vater: Was träumst Du?
Olivia: Ich weiß nicht. Wenn ich daran denke, dann träume ich davon, und das will ich nicht. Wenn ich aber sage: „Bitte lieber Gott, ich will nichts träumen!“, dann träume ich auch nichts.
Vater: Soll Mama heute bei Dir schlafen?
Olivia: Ja.

 

Mittwoch, 24.5.1995:
Das Gespräch von gestern Abend beschäftigte mich noch, und ich versuchte, daran anzuknüpfen:

Vater: Olivia, es kann sein, daß Deine bösen Träume schuld an Deinem Knödel im Bauch sind. Der Doktor in Deutschland wird Dich vielleicht danach fragen.
Olivia: Jetzt gehe ich ja nicht schlafen und traue mich, mich an die Träume zu erinnern. Da ist eine alte Röhre, in der ich mich befinde, und ein dicker Mann will herein, paßt aber nicht durch. Er geht dann neben mit ...
Vater: Siehst Du den dicken Mann später noch im Traum?
Olivia: Wenn er neben der Röhre hergeht, wache ich auf.

 

Donnerstag, 20.7.1995:
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück berieten Dr. Hamer und ich unser weiteres Vorgehen in seinem Zimmer. Mehrere Telephonate mit verschiedenen Medien wurden geführt. (...) Ein Telephonat mit dem Chef von der Zeitschrift „News“, Herrn Fellner, warf mich aber fast um. Er eröffnete mir, daß die „Österreichische Flugambulanz“ mit der Ärztin Frau Dr. Marcovich und einem Onkologen aus dem St. Anna-Kinderspital, Dr. Witt, nach Malaga kommen werden, um uns nach Wien zurückzufliegen. In einem, von der Zeitung gecharterten Flieger, werde das „News“-Team mit meinem Freund Sepp D., meiner Schwägerin Veronika und unserem Hausarzt Dr. Grill ebenfalls nach Malaga kommen.
Wir wollten nicht nach Wien zurück! Was sollte der Riesenaufwand, die „Österreichische Flugambulanz“ mit zwei Ärzten einzuschalten? Ich wollte nicht! Ich war der Verzweiflung nahe. Schließlich gelang es Dr. Hamer und den im Zimmer anwesenden Ärzten, mich wieder zu beruhigen. So leicht könne man uns nicht gegen unseren Willen in den Flieger nach Österreich verfrachten.
Des öfteren ging ich in die Hotelhalle hinunter, um zu sehen, was sich dort abspielte. Pflughaupt und seinem Kollegen wich ich nach Möglichkeit aus. Diese schienen aber mein, ihnen ausgesprochenes Filmverbot zu respektieren und ließen mich auch in Ruhe. Nur an Dr. Hamers Zimmer klopften sie im Stundenintervall und forderten ihn laut rufend auf, sich einem Interview zu stellen. In der Hotelhalle hatten sich aber mittlerweile auch andere Reporter und ganze Fernsehteams versammelt. Diesen gab ich bereitwillig Auskunft, über unsere mißliche Lage. Im Laufe des Nachmittages waren plötzlich wieder die Männer von der Interpol da! Mit ihren sockenlos getragenen Weichlederschuhen, saßen sie breit auf einer Couch, direkt vor dem Hoteleingang, gerade so, als wollten sie kontrollieren, ob ich das Hotel auch ja nicht verlasse.
Wieso waren sie eigentlich schon wieder da? Waren sie wirklich als Wache abkommandiert worden? Ich machte die Probe auf das Exempel und schritt durch die Hoteltüre. Sofort waren sie aufgesprungen, hielten mich am Arm fest und wiesen mich wieder in die Halle hinein. Ich hatte Hausarrest. Erklärungen konnten sie mir keine geben, da sie der Sprache Englisch und ich der spanischen Sprache nicht mächtig waren.
Zurück in Dr. Hamers Zimmer, dauerte es nicht lange, bis es an der Tür klopfte und mich die Interpolmänner aufforderten, mitzukommen.

Zweite Festnahme durch Interpol:
Den Polizisten der Interpol war es anscheinend selbst peinlich, schon wieder unsere Familie festnehmen zu müssen. Sie gaben vor, ein weiters Fax aus Österreich erhalten zu haben, das aber mit dem ersten nichts zu tun hatte (?!).
Ich wurde abgeführt und ins Gericht gefahren. Im Gerichtsgebäude stellte man mich vor einen neuen Richter, diesmal eine Richterin. Ein älterer Herr, der gut Deutsch sprechen konnte und ebenfalls im Gerichtssaal anwesend war, forderte in scharfem Ton Auskunft von mir. Ich vermutete, daß er ein Dolmetscher war. Er wollte wissen, wo mein PKW war, wie wir nach Spanien kamen, vor allem aber, wo sich Olivia befände. Was interessierte ihn mein geborgter Renault, fragte ich mich verwundert und erklärte ihm, daß dieser vor dem Hotel stehe. Erst als er erstaunt nachplapperte, mein grüner Audi stehe vor dem Hotel, und wir seien mit ihm nach Spanien gekommen, verstand ich, welchen Wagen er meinte und klärte ihn auf. Sein Ton gipfelte in unverhohlenen Beleidigungen. Erst als ich ihn fragte, wer er überhaupt sei, stellte sich heraus, daß es sich bei diesem Herrn um den österreichischen Konsul, Herrn Esten, handelte. Konsul Esten warf mir vor, am Vortag gelogen zu haben. Ich hätte behauptet, ich wäre im Besitz der Obsorge, was sich erst jetzt als falsch herausgestellt habe. Deshalb sei der Gerichtsbeschluß vom gestrigen Tag ungültig und wurde widerrufen. Ich dementierte auf das Heftigste und hatte plötzlich große Angst, daß hier ein fingierter Prozeß stattfinden sollte. (...)
Ich wurde gezwungen, mit mehreren Beamten und dem Konsul, verteilt in zwei Polizeiautos zu meiner Familie zu fahren. Gefolgt wurden wir von mehreren Autos der spanischen Presse. Die Polizei versuchte, diese mit mehreren mißglückten Tricks abzuhängen. An einer der Kreuzungen mußten wir anhalten, ein Pressewagen hielt in zweiter Spur direkt neben dem unseren. Sofort brachten sie durch deren offenes Fenster ihre Kamera in Position und filmten unseren Wagen. Durch mein offenes Fenster bedeutete ich ihnen, daß sie noch ca. 1000m auf dieser Straße zu fahren hätten. Der neben mir im Fond sitzende Polizist drückte auf den elektrischen Fensterheber und verschloß mein Fenster. Die Pressefritzen hielten sich gut, doch plötzlich bogen sie ohne ersichtlichen Grund einfach ab und waren weg. Vermutlich wollten sie die Festnahme der Familie nicht gefilmt haben.

 

Was sollte ich tun gegen solch eine Macht? Sie ließen mich nicht mehr zu meinem Kind. Die Ärzte, der Richter, die Bezirkshauptmannschaft und schließlich die Polizei verwehrten mir als Vater den Zutritt zu meiner Tochter. So, als möchte ich meiner Tochter ein Leid zufügen und sie müßten Olivia vor mir schützen. So, als wären sie die Guten und ich der Böse.
Wieder fuhr ich nach Hause.

Am Morgen erhielt ich einen Anruf von Erika:
Sie war ratlos. Das Pflegepersonal hatte sie aufgefordert, alles für die Verlegung in das AKH nach Wien vorzubereiten. Erika wehrte sich und sagte, dies dürfe nicht geschehen, und es sei gegen ihren Willen. Sie wolle entsprechend den Zusagen von Spanien mit Olivia nach Hause. Daraufhin hatten sie sich wieder zurückgezogen.

Olivia sollte also in das AKH zur Chemotherapie verlegt werden. Plötzlich war sie wieder für transportfähig erklärt worden. Ich überlegte blitzschnell. Vergangenen Donnerstag hatte Primar Vanura öffentlich im Fernsehen erklärt, eine Therapie ohne Mitwirkung der Eltern würde zum Tod von Olivia führen und wäre daher nicht machbar. Es war eine schreckliche Entscheidung, aber ich überredete Erika, unter keinen Umständen mitzufahren, und sie müsse dies den Ärzten begreiflich machen. Nach dieser öffentlichen Erklärung würden sie es nicht wagen können, Olivia von ihr wegzunehmen. Darin sah ich noch unsere einzige Chance.
Aber es wurde kein Erbarmen gezeigt. Gegen den ausdrücklichen Willen der Mutter, wurde ihr das Kind entrissen. Es muß schrecklich gewesen sein. Olivia hat geschrien und Erika geweint.

Olivia wurde in das AKH nach Wien transportiert. Erika fuhr heim.

Welche Chance gibt die Schulmedizin einem Kind, das eine Nierenzyste, ein Sammelrohrkarzinom, einen Leberkrebs und Knochenkrebs an einem Lendenwirbel hat und überdies noch ohne Beisein der Eltern zwangspseudotherapiert wird?

 

siehe auch:

Neue Argumente, März 1998 - Die Neue Medizin - Buchbesprechung

 

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