Die Entwicklung aller zytostatischen Chemotherapeutika erfolgte unter idealen
Laborbedingungen an Monokulturen von Krebszellen, die in dieser Form als homogenes
Krebsgewebe in einem Organismus niemals vorkommen. Sie beruht auf der Erkenntnis, dem
Wissensstand und der Vorstellung vom Krebsgeschehen der 50er und 60er Jahre dieses
Jahrhunderts. Derzeit gibt es eine kaum überschaubare Zahl von verschiedenen
Zytostatika auf dem Mark. Jährlich kommen Zehntausende weitere - im Tierversuch erprobte
- hinzu.
Beinahe jedes Mittel war den Krebsspezialisten ("Onkologen") bisher recht
gewesen, um die Krebszellen zu vernichten oder ihr Wachstum zu stoppen - das Leiden ließ
keine Alternative. Die Heilmühen trieben mitunter groteske Blüten: Kongresse und
onkologische Literatur, spottet der Karlsruher Internist Professor Harald Theml
Mitte letzten Jahres [Anm.: 1986] bitter, wirkten "zum Teil wie
Olympische Spiele von CR- und PR-Wettkämpfern" - geehrt werden die Sieger in
den Disziplinen komplette (CR) und partielle Rückbildung (PR) der bösartigen
Geschwülste.
Die Verlierer der sportiven Veranstaltung finden sich in den Reihen der Patienten.