Im Gespräch zwischen Arzt und Patient treten häufig Mißverstände auf. Der
Onkologe spricht von "Erfolg" oder "Remission" (Rückbildung), der
Patient hört "Heilung" oder zumindest "Lebensverlängerung" heraus.
Zur Linderung von Beschwerden ist eine Verkleinerung des Tumors durch Chemotherapie
natürlich sinnvoll. Doch irrtümlicherweise wird vorausgesetzt, daß eine Rückbildung
des Tumors auch eine Lebensverlängerung bedeutet. Oft glaubt der Arzt selbst an die
lebensverlängernde Wirkung der Therapie. Grund: Auf Kongressen und in den Medien werden die
Erfolge der Chemotherapie günstiger dargestellt, als sie in Wirklichkeit sind.
Studien mit scheinbar positiven Ergebnissen werden mehr beachtet als negative
Studienergebnisse.
Selbst, wenn die Studienresultate insgesamt ernüchternd sind - in Einzelfällen kann
ein Erfolg möglich sein. Oft setzen Ärzte und Patienten auf diese winzige Chance.
Der Arzt möchte helfen und fürchtet um seine Autorität als Mediziner, wenn er dem
Patienten gegenüber seine Hilflosigkeit eingesteht. Eine Chemotherapie durchzuführen
ist oft leichter, als dem Kranken die Grenzen der ärztlichen Heilkunst zu erklären und
sich der Angst und Verzweiflung des Patienten zu stellen.
Krebskranke wünschen sich die Therapie oft ausdrücklich. Sie möchten ihr Schicksal
aktiv in die Hand nehmen und um jeden Preis gegen ihre Krankheit kämpfen. Den Vorwurf,
man habe nicht alles versucht, mag sich niemand gern machen.
Selbst Patienten, die einer Chemotherapie ablehnend gegenüberstehen, akzeptieren die
Behandlung schließlich doch, weil sie keine andere Möglichkeit sehen, etwas gegen ihre
Krankheit zu unternehmen. [Anm.: Vor allem, wenn man die Patienten nicht über
sämtliche Möglichkeiten aufklärt!]
Dabei zeigen neue Ansätze in der Krebsmedizin, daß die Chemotherapie nicht der
einzige Weg im Kampf gegen den Krebs ist: "Nach unseren Ergebnissen leben
Patienten, die psychotherapeutisch betreut werden, Sport treiben, das Immunsystem stärken
und ihre Ernährung umstellen im Durchschnitt länger als diejenigen, die nur eine
Chemotherapie erhalten". [Anm.: Und wo ist die Umsetzung?]