SPIEGEL:
Wie viele Patientinnen profitieren denn von dieser Behandlung?
Molls: Man geht davon
aus, dass allenfalls zehn Prozent der Brustkrebs-Patientinnen mit
Mikrometastasen von der Chemotherapie profitieren und geheilt werden
können. Dieser Prozentsatz gilt in etwa auch für die anderen soliden
Tumoren.
SPIEGEL: Deprimierende
Zahlen.
Molls:
Ja. Wir Ärzte, die Krebskranke
behandeln, müssen grundsätzlich akzeptieren, dass wir einen Teil unserer
Patienten nicht heilen können, nämlich die Patienten, die Metastasen
entwickeln. Dann geht es nur darum, das Leben zu verlängern, bei
möglichst guter Lebensqualität.
SPIEGEL: Wenn die
Chemotherapie von den drei Behandlungsarten bei Krebs letztlich die
enttäuschendsten Ergebnisse bringt, wie erklären Sie sich dann den
unverdrossenen Optimismus, mit dem diese Therapierichtung weiterverfolgt
wird?
Molls: Das ist auch für
mich nicht in allen Details nachvollziehbar. Das eigentliche Ziel der
Tumortherapie besteht ja in der Vernichtung aller Tumorzellen. Beachtet
man den Maßstab, so muss man sagen, dass die Effizienz der zytostatischen
Medikamente wenig erfolgreich ist.