Viele kritische Wissenschaftler kommen zur übereinstimmenden Erkenntnis, daß beim
Einsatz der Zellgifte kommerzielle Überlegungen eine nicht unwesentliche Rolle spielen.
So werden zum Beispiel Kranke, die noch keine Schmerzen haben, bereits verfrüht
chemotherapeutisch behandelt, weil der Arzt sie in eine Studie
miteinbezieht. Manche
Krebsforscher erhalten für jede dokumentierte Behandlung eines Patienten von der
Pharmaindustrie bis zu 1000 Mark. Die Hersteller von Antitumorpräparaten können
sich diese Prämien leisten, machen sie doch mit den Mitteln jährlich eine halbe
Milliarde Mark Umsatz. Dazu der Onkologe Prof. Martz (Zürich): "Seit
einigen Jahren steigt der weltweite Verkauf von Zytostatika jährlich um zirka 20 Prozent
an. Diese Umsatzsteigerung kann sicher nicht nur bedingt sein durch eine Zunahme von
wirksamen Substanzen, eine Zunahme diagnostizierter Krebspatienten oder eine Zunahme der
Therapieindikationen." Rund 90 Prozent der Forschungsgelder sind durch die
laufenden Chemotherapiestudien gebunden. Sie fehlen für die Erforschung alternativer
Behandlungsmethoden. Studienvorschläge in dieser Richtung finden bei neuen
Forschungsvorhaben kaum Gehör. Dazu kommt, daß es vielen Medizinern an Wissen darüber
fehlt. Das größte Übel aber ist, so Prof. Landsberger, wenn der Arzt "den
Krebsleidenden zu beschimpfen beginnt, falls dieser in seiner Not ihn nach biologischen
Mitteln auch nur zu fragen wagt."
Eine einzige Infusion mit "Methotrexat" kostet zum Beispiel in der Schweiz mehr
als 5000 Franken, und die ganze Behandlung mit diesem Zytostatikum kommt auf rund 200000
Franken zu stehen. In der Bundesrepublik Deutschland ist "Methotrexat"
allerdings etwas billiger, und in Österreich zahlt man nur die Hälfte.
Der Journalist Klaus Vieli ging diesem erstaunlichen Preisunterschied
nach. Es stellte sich heraus, daß dem Städtischen Krankenhaus Wien von einer
Konkurrenzfirma "Methotrexat" zu einem viel günstigeren Preis angeboten wurde.
Das Krankenhaus setzte sich daraufhin mit der amerikanischen Herstellerfirma Lederle in
Verbindung, die den Preis ohne weiteres um ein Drittel senkte.