Was heißt hier Heilung? Was sind die seelischen Schäden, die im Kind zurückbleiben,
weil es von Erwachsenen "zu seinem besten" so gequält wurde? Wenn ich
davon ausgehe, daß auch die kindlichen Krebserkrankungen mit seelischen Prozessen zu tun
haben, daß Kinder ihre Lebensumwelt so erleben, daß dieses Leben für sie nicht
lebenswert erscheint, dann wäre denkbar, daß unser erster Schritt nach der Krebsdiagnose
wäre, das Kind zu verstehen, das seelische und geistige Klima um das Kind zu erkennen und
Hilfen zu positiven Veränderung zu bieten.
Von solchen Versuchen habe ich nie gehört. Sie seien viel zu riskant, das könne
nicht verantwortet werden. Das Kind würde sterben, bevor eine Veränderung spürbar wäre
...
Warum kann so etwas eigentlich nicht verantwortet werden?
So viel Körperverletzung, so viel Verstümmelungen werden "verantwortet".
Sterben kann das Kind auch, wenn die üblichen aggressiven Therapien durchgeführt werden
und viele sterben auch, und qualvoll; aber dann hat man eben "alles getan, was getan
werden konnte" und muß sich keine Vorwürfe machen.
Elisabeth Kübler-Ross erzählte 1986 während eines Vortrages in Berlin von einem
neunjährigen Jungen, der kurz vor seinem Tod sie gefragt hatte:
"Warum macht ihr Erwachsenen uns so krank, wenn ihr uns gesund machen
wollt?"