Placebos können Sterbende am Leben erhalten und binnen
kurzem töten
Der bekannteste Placebofall betraf einen kalifornischen Krebspatienten
namens Wright. Obwohl die Krankengeschichte wissenschaftlich penibel
dokumentiert und publiziert ist, wird sie von Ärzten meist als bloße
Anekdote für die wundersame Kraft der Einbildung zitiert.
Mister Wright hatte Lymphknotenkrebs im Endstadium. Die Tumore
erreichten bereits die Größe von Orangen, und der behandelnde Arzt,
Philip West, rechnete mit dem nahen Ende seines Patienten. Als er von
sensationellen Testergebnissen eines aus Pferdeserum gewonnenen
Krebsmedikaments namens "Krebiozen" erfuhr, bekniete er seinen
Arzt, diese Mittel sofort zu besorgen. Dr. West kam dem Wunsch nach, und
schon kurze Zeit später injizierte er Wright das experimentelle
Pferdeserum. Als der Arzt nach dem Wochenende in die Klinik kam, fand er
seinen Patienten am Gang, wo der prächtig gelaunt mit den
Krankenschwestern scherzte. Seine Tumoren verschwanden binnen weniger
Tage.
Nach einigen Wochen tauchten in den Zeitungen widersprüchliche
Meldungen über die Wirksamkeit von Krebiozen auf. Fast augenblicklich
verschlechterte sich Wrights Zustand. Dr. West erklärte ihm, er solle
nicht an den Quatsch in den Medien glauben, und injizierte ihm eine, wie
er es nannte, "extrapotente Neuversion" des Mittels. Der Erfolg
war diesmal noch erstaunlicher. Wright konnte sogar das Spital verlassen.
Zwei Monate erfreute er sich bester Gesundheit. Bis er den vernichtenden
Endbericht der Krebiozen-Studie las. Das Mittel wurde als völlig
wirkungslos beurteilt und als glatter Fehlschlag abqualifiziert. Darauf
erlitt Wright einen neuerlichen Rückfall und starb binnen zwei Tage.