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Die Onkologie - und was (sich) die Schulmedizin sonst noch leistet

Eine Sammlung offizieller Statements;
zusammengestellt von 'Die Eltern von Olivia'

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  ... und was (sich) die Schulmedizin sonst noch leistet!

Diese Medizin macht uns krank ...

... weil sie völlig im Dunkel tappt!

Die akademisch gebildeten Ärzte legten bei Adeligen und reichen Bürgern Hand an - nur diese wenigen wurden durch den Aderlaß ausgeblutet oder mit Quecksilber vergiftet, ganz so, wie es die Gesetze der Kunst jeweils rieten.

[Aus: Spiegel, Nr. 34/1980, Begrabene Illusion]

Wer, seinem Herzen zuliebe, zwei Jahrzehnte lang Magarine statt Butter aß, wer der Wissenschaft und den Werbesprüchen vertraute, der muß sich jetzt wirklich verhohnepipelt vorkommen. Bis zum vergangenen Jahr (1979) hat der sogenannte "Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer" steif und fest behauptet, daß ein Blutfett namens Cholesterin der Schurke im Drama Herztod sei - und Magarine dessen ärgster Feind.

Seit das als "großer Bluff" entlarvt worden ist (SPIEGEL-Titel 17/1979), erteilt das "Deutsche Ärzteblatt" seinen 150 000 Zwangsabonnenten und deren 60 Millionen potentiellen Patienten einen doppelten Hinweis: Einerseits seien "zum gegenwärtigen Zeitpunkt dezidierte, an die Gesamtbevölkerung gerichtete Empfehlungen zum qualitativen Fettverzehr wissenschaftlich nicht ausreichend begründet". Nur fünf Zeilen weiter wird - andererseits - verlautbart, daß "die Mehrheit der international maßgebenden Experten" Margerineverzehr als Mittel zur Vorbeugung der Herzkrankheit empfiehlt.

Was nun, Hölzchen oder Stöckchen? Rama oder Butter? Sie wissen es nicht.

[Aus: Spiegel, Nr. 34/1980, Begrabene Illusion]

16 Jahre lang, von 1962 bis 1978, verordneten Deutschlands Doktoren als "bestmöglichen Schutz vor einem Herzinfarkt" - so die Werbung für "Regelan N 500" - ihren Patienten Clofibrat. Unter 36 verschiedenen Handelsnamen war die billige Chemikalie, ein Abfallprodukt der Phenolproduktion, den Patienten ans kranke Herz gelegt worden. In diesem Zeitraum stieg die Herzinfarkthäufigkeit kontinuierlich, der Umsatz der Clofibrate wuchs gleich ums Fünfzigfache, auf zuletzt 110 Millionen Mark pro Jahr. Ende 1978 verbot das Bundesgesundheitsamt die Droge und beschränkte später ihre Zulassung auf engste Indikation: Das Mittel hatte die Sterblichkeit der Infarktkandidaten nachweislich erhöht, statt gesenkt.

[Aus: Spiegel, Nr. 36/1980, Begrabene Illusion]

"Hybris", lästerlicher Hochmut, so Ivan Illich, habe die Mediziner geritten, als sie sich anschickten, Schmerz und Siechtum, das Altern und sogar den Tod aus der Welt zu schaffen. Die angeblich unausweichliche Folge: "Nemesis", in der Mythologie die göttliche Rache für menschliche Anmaßung - in den Industrieländern massenhafte Gesundheitsschäden durch zu viele Pillen, entfesselte Chirurgen und eine allgemeine, die natürlichen Heilkräfte lähmende ärztliche Überfürsorge.

[Aus: Spiegel, Nr. 35/1980, Begrabene Illusion]

Auch Ärzte beginnen, die Erfolgsstory ihres Metiers in einem Matten Licht zu sehen. Ihre Zweifel beziehen sich beispielsweise auf einen Befund, der bislang als wichtiger Beweis für die Tüchtigkeit der Mediziner allseits akzeptiert worden ist. Er besagt, daß sich seit der Jahrhundertwende die menschliche Lebenserwartung in den Industrieländern nahezu verdoppelt habe.

Das stimmt, jedenfalls auf den ersten Blick. So hatten die im Jahre 1900 geborenen Amerikaner im Durchschnitt eine Lebensdauer von 47 Jahren zu erwarten. Kinder, die 1980 in den USA zur Welt kommen, dürfen hingegen mit 73 Lebensjahren rechnen - ein Zugewinn von 26 Jahren. Mehr oder minder ähnlich verlief die Entwicklung bei den übrigen Industrievölkern.

Auf den zweiten Blick jedoch, den die ärztlichen Statistiker bisher gern vermieden, wird in der Rechnung ein Pferdefuß sichtbar. US-Bürger nämlich, die 1900 das 45. Lebensjahr erreichten, hatten der Statistik zufolge damals schon die Chance, immerhin 69 Jahre alt zu werden. Für die erwachsene Bevölkerung ist demnach die Lebenserwartung nur um karge vier Jahre gestiegen.

Trotz all ihrer unbestreitbaren Glanzleistung und einer immensen Steigerung der ärztlichen Dienstleistungen, folgern daraus Skeptiker, habe die moderne Medizin seit Kaiser Wilhelms Zeiten die Volksgesundheit offenbar nicht sonderlich kräftigen können.

Und der erreichte, bescheidene Effekt, so schließen sie aus den Statistiken, beruhe ganz überwiegend auf der noch am ehesten erfolgreichen Bekämpfung der Kinderkrankheiten sowie der damit verbundenen Senkung der einstmals extrem hohen Säuglingssterblichkeit.

"Die moderne Medizin", urteilt denn auch der britische Sozialmediziner Professor Thomas McKeown, "ist nicht annähernd so wirkungsvoll, wie die meisten Menschen glauben." Viele der Wohltaten, die bis vor kurzem der wissenschaftlichen Heilkunde gutgeschrieben wurden, gehen nach Ansicht des Professors in Wahrheit keineswegs auf das Konto der Mediziner.

Beim Studium alter Sterberegister, die in England und Wales schon seit 1840 Angaben über Todesursachen enthalten, kam McKeown zu erstaunlichen Erkenntnissen: Die Sterblichkeit an zahlreichen Krankheiten, darunter Cholera, Typhus, Tuberkulose, Masern, Scharlach oder Keuchhusten, ging bereits damals kontinuierlich zurück - lange bevor die Erreger dieser Seuchen identifiziert und Medikamente gegen sie entwickelt wurden.

Weder die Entdeckung bestimmter Mikroben, gewöhnlich als "Durchbruch" gefeiert, noch der meist viel später beginnende Einsatz entsprechender Heilmittel hatte, wie McKeown feststellte, jemals einen nennenswerten Einfluß auf den gleichmäßigen Abwärtstrend der Sterblichkeitskurven.

Zum Beispiel: An Tuberkulose starben 1840 in England und Wales rund 4000 Menschen; im Jahre 1882 als Robert Koch den Tuberkel-Bazillus entdeckte, wurde dort nur noch 2000 Tuberkulose-Opfer verzeichnet.
Als schließlich 1947 mit dem Antibiotikum Streptomycin das erste wirksame Medikament gegen Tuberkulose auf den Markt kam, erlagen dem Lungenleiden in Großbritannien jährlich nur mehr 400 Menschen. Den Anteil des angeblichen Wundermittels am Rückgang der Tuberkulose seit etwa 1850 beziffert McKeown auf lediglich drei Prozent.

Auch die Mortalitätskurven anderer Krankheiten knickten durchaus nicht steil ab, sobald die Pharma-Industrie mit der Massenfabrikation von geeigneten Impfstoffen begann - einzige Ausnahme: die spinale Kinderlähmung; ihr machten schon die ersten Impf-Kampagnen abrupt den Garaus.

Was aber, wenn nicht die Medizin, hat in den entwickelten Ländern die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegen so viele Krankheiten derart dramatisch erhöht? Und weshalb ist, zweitens, gleichwohl dort die Lebenserwartung für Erwachsene in den letzten 100 Jahren nur unwesentlich gestiegen?

Frage eins beantwortet Sozialmediziner McKeown mit dem Hinweis auf eine allgemeine Verbesserung der Lebensumstände, die schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts begonnen hatte. Damals nahm, unter anderem, überall in Europa die Nahrungsmittelproduktion einen beträchtlichen Aufschwung.

Entsprechend sank in der folgenden Zeit die Zahl mangelhaft ernährter Europäer - und zugleich verringerte sich die Anfälligkeit früher großer Bevölkerungsgruppen für Infektionskrankheiten. Die nun besser genährten Menschen erkrankten seltener und überlebten die Krankheitsattacken häufiger.

Schutz gegen Seuchen wie Pest und Cholera, die sich zuvor rapide ausbreiten konnten, boten später auch die allmählich sich bessernde Wohnverhältnisse. Trockene Wohnungen, Wassertoiletten und Badezimmer, dazu Klärwerke, Kanalisationsanlagen, eine geregelte Müllabfuhr und Straßenreinigung haben, laut McKeown, die Volksgesundheit weit wirksamer saniert als die meisten medizinischen Leistungen.

Einen wissenschaftlichen Beitrag dazu, schätzt McKeown, habe allenfalls der Franzose Louis Pasteur (1822 bis 1895) geliefert, kein Mediziner, sondern Chemiker und Bakteriologe. Sein Verfahren, Nahrungsmittel haltbar und immun gegen Krankheitskeime zu machen ("pasteurisieren"), habe mitgeholfen, viele zuvor häufige epidemische Kettenreaktionen zu stoppen - verseuchte Milch etwa war ein wichtiger Überträger speziell von Infektionen des Magen-Darm-Systems mit gefährlichen Folgen vor allem für Kleinkinder.

Im 17. Jahrhundert übernahmen die Ärzte immer entschiedener die Denkungsart der aufblühenden Naturwissenschaften. Und die begriffen, streng materialistisch, den lebenden Organismus als eine Art Maschine, als Mechanismus, der ausschließlich chemischen und physikalischen Gesetzen gehorcht, aus lauter Einzelteilen besteht und mithin bei Bedarf auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt werden kann.

Folgerichtig entwickelte sich die praktische Heilkunde immer mehr zum Reparaturbetrieb - in der Regie von immer mehr Spezialisten: Nicht mehr komplette Patienten liegen seither auf der Praxis-Couch oder dem Operationstisch, sondern gewissermaßen nur noch ihre defekten Körperteile (im Klinik-Jargon: "der Blinddarm" oder "der Schädelbruch auf Zimmer 17").

Dieser ärztliche "Ingenieuransatz" (McKeown) hat der modernen Heilkunde im einzelnen zu staunenswerten Erfolgen verholfen; er ist aber auch daran schuld, daß es nun schon seit Jahrzehnten mit dem medizinischen Fortschritt im großen und ganzen hapert.

[Aus: Spiegel, Nr. 35/1980, Begrabene Illusion]

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