Nicht Einwilligungsfähige
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Die Onkologie - und was (sich) die Schulmedizin sonst noch leistet

Eine Sammlung offizieller Statements;
zusammengestellt von 'Die Eltern von Olivia'

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  ... und was (sich) die Schulmedizin sonst noch leistet!

DER KRIEG GEGEN DIE MASSE - oder  B I O E T H I K

Nicht einwilligungsfähige Personen

Peter Huemer:
Ein besonders brisanter Punkt ist der der fremdnützigen Forschung an nicht einwilligungsfähigen Menschen, d.h. an Komapatienten zum Beispiel - die ist erlaubt.

Ursel Fuchs:
Die soll erlaubt sein, und der Kreis der sog. 'Nichteinwilligungsfähigen Menschen' ist viel größer, als wir uns das im Allgemeinen vorstellen. Er reicht von Neugeborenen über Kinder bis hin zu Unfallopfern, die bewußtlos sind, bis zu einem Schlaganfall-Kranken, der bewußtlos ist. Aber auch der Mensch im Koma, aber auch der geistig Behinderte, der Alzheimerkranke und der sterbende Mensch gehören zur Gruppe derer, die nicht einwilligen können, in eine Forschung, die nicht ihnen unmittelbar dient - ihrer Gesundheit in der nächsten Zeit und absehbar - sondern einer Gruppe von unbekannten Kranken, die genauso wie sie an einer bestimmten Krankheit leiden, die eine ähnliche Altersstruktur haben und auch sonst ähnlich gelagert sind. Und das ist der Artikel, der zumindest in Deutschland den größten Protest ausgelöst hat, weil es hierum geht, Instrumentalisierung ausgerechnet der Schwächsten geht, weil es hier darum geht, ausgerechnet Art. 1 des Nürnberger Cotex - daß der Mensch nämlich zustimmen muß, wenn an ihm geforscht wird - nach den Erfahrungen der Nazi-Medizin-Forschung - weil der nämlich überhaupt nicht mehr erwähnt wird, weil der überhaupt nicht mehr eine Rolle spielt, überhaupt nur noch Vergangenheit ist, und hier haben sich massive Proteste logischerweise auch gerade aus der Behinderten- und Pflegebereichen gemeldet.

Peter Huemer:
Wenn man es polemisch formulieren wollte, könnte man sagen, das ist die Straße nach Dachau oder zum Dr. Mengele nach Auschwitz. das ist die Straße nach Dachau oder zum Dr. Mengele nach Auschwitz.
Auf der anderen Seite aber ist es doch so, daß der medizinische Fortschritt immer ein Probieren war und daß sich dieses Probieren natürlich vorrangig in der Medizingeschichte immer an Schwächeren oder Unterprivilegierten vollzogen hat. Der klassische immer wieder zitierte Fall ist die Einführung der Antibabypille, die zunächst einmal an den Frauen in der Karibik ausprobiert worden ist, bevor sie in den USA eingeführt wurde. Aber dafür kann man hunderte, tausende Beispiele aufzählen, wo es eben genauso läuft.

Ursel Fuchs:
Gerade was Sie beschrieben haben, hat ja dann auch den entsprechenden Aufschrei in der jeweiligen Bevölkerung oder weltweit hervorgerufen. Ich denke, wir können hier nicht sagen, weil es schon so und so oft mal passiert ist, müssen wir es hier jetzt zur Regel machen.

Peter Huemer:
Ursel Fuchs, es ist aber die Regel!
'Der medizinische Fortschritt' - ich würde es so formulieren - 'setzt stillschweigend die Ungleichheit der Menschen in ihren Möglichkeiten und Rechten voraus - und die Qualen der Tiere übrigens auch - und ganz genau wollen wir alle miteinander nicht wissen, wie wir zu unseren Kopfwehpulverln gekommen sind, daß die entsprechend harmlos und verträglich sind.

Peter Huemer:
Nun ist aber auf der anderen Seite natürlich so, daß diese Experimente ja auch eine Chance für den Patienten gleichzeitig sind. Das werden ihnen Ärzte sofort entgegenhalten. Und selbst die Konzentrationslager-Versuche waren ja nicht alle zweck- und sinnlos. Die Dachauer Druckversuche haben für die amerikanische Weltraumforschung - wie wir wissen - nachher eine Rolle gespielt, wobei die Dachauer Druckversuche ein qualvolles Töten von Menschen waren. In diesem Falle wären es aber Experimente, die nicht unter so entsetzlichen Bedingungen stattfinden würden.

Ursel Fuchs:
Nun ja. Ich denke, das ist eine relative Frage. Es wird immer von minimalen Risiko gesprochen und von einer minimalen Belastung, die es für den Probanden mit sich bringen soll. In den Erläuterungen zu den Konventionen steht aber ganz eindeutig: 'Risiko und Belastung sollen in einem vernünftigen Verhältnis zum vermuteten Nutzen stehen'. Und in Amerika ist man jetzt vor einer Weile dazu übergegangen, daß an Bewußtlosen geforscht werden darf. In England sagt man auch bereits, man sieht diese Gruppe der Wachkoma-Patienten 'at the present' - im Augenblick - noch nicht als Organspender vor. Sie sehen, es besteht eine ungeheuerliche Begehrlichkeit sich einen Patienten - oder ganz viele dieser Patienten - zu nähern, bei denen man - und das sage ich jetzt wirklich im vollem Ernst - den geringsten Widerstand erwarten kann, gegenüber Manipulationen, Experimenten und Versuchen, zu denen sich kein Gesunder - Sie nicht und ich nicht - sich hergeben würde.

[Aus: ÖR; 'Im Gespräch', 15.5.1997, mit Peter Huemer und Wissenschaftsautorin Ursel Fuchs; Thema: Bioethik]

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